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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Justiz: 167 über 60-Jährige in Haft

14.02.2018

Hannover Sollte der 96 Jahre alte frühere SS-Mann Oskar Gröning tatsächlich ins Gefängnis müssen, wäre er der mit Abstand älteste Häftling in Niedersachsen. Derzeit ist der älteste Mann in einer Justizvollzugsanstalt 83 Jahre alt, die älteste weibliche Gefangene ist 78 Jahre. Gröning wurde wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen im Konzentrationslager Auschwitz zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Er soll zeitnah seine Haft antreten, ob und wann dies geschieht, ist aber offen. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg hatte ein erstes Gnadengesuch abgelehnt, nun bleibt Gröning noch ein Gnadengesuch beim Justizministerium.

In den vergangenen Jahren blieb die Zahl der älteren Häftlinge in niedersächsischen Gefängnissen relativ konstant. In anderen Bundesländern, etwa in Sachsen, gab es einen Anstieg. In Niedersachsen waren Ende 2017 nach Angaben des Justizministeriums 3,5 Prozent aller Gefangenen älter als 60 Jahre, insgesamt genau 167 Menschen. Ein Jahr zuvor waren es 169 gewesen, Ende 2014 waren es 170.

Eine zentrale Unterbringung älterer Gefangener gibt es in Niedersachsen nicht – mit Absicht. Auch ältere Gefangene sollen wohnortnah untergebracht werden, damit die Pflege sozialer Kontakte zu Familie oder Freunden leichter ist. Gröning etwa soll in die JVA Uelzen kommen.

Häftlinge im Rentenalter sind nicht zur Arbeit verpflichtet, sie können aber freiwillig arbeiten. Die Gefängnisse bieten auch spezielle Sport- und Freizeitangebote für diese Gefangenengruppe an.

Allein aus dem Alter eines Häftlings ergeben sich noch keine besonderen Herausforderungen für die Anstalten. Sobald Häftlinge pflegebedürftig werden, müssen sich allerdings auch die Haftanstalten darauf einstellen. Was nötig ist, stellt der Anstaltsarzt fest. Je nach den Möglichkeiten werden die Gefangenen dann vom Personal der Anstalt betreut oder aber – was laut Ministerium seltener vorkommt – es werden externe Pflegedienste beauftragt.

Ist ein Häftling ganz besonders pflegebedürftig, wird er in das Justizkrankenhaus nach Lingen gebracht. Dort gibt es insgesamt fünf Betten für Gefangene mit langfristigem Pflegebedarf. In seltenen Einzelfällen wird von einem Arzt auch die Haftunfähigkeit bescheinigt – etwa, wenn ein Häftling dement wird.

Baulich sind zumindest die Justizvollzugsanstalten in Oldenburg, Rosdorf, Sehnde und Bremervörde auf die Bedürfnisse von älteren Menschen eingerichtet: Diese Haftanstalten gelten als barrierearm oder barrierefrei.

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