Bremen - Die Zeichen stehen auf Freispruch: Die zuständige Kammer am Landgericht Bremen hat am Dienstag die Haftbefehle gegen die beiden Angeklagten im Harms-Prozess aufgehoben. Grund: Das Gericht sieht weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr. „Die Aufrechterhaltung der Haftbefehle wäre demnach unverhältnismäßig“, sagte Gerichtssprecher Thorsten Prange. Hans Eulenbruch (64), früherer Geschäftsführer des Textilhauses „Harms am Wall“, zeigte sich „mehr als erleichtert“.

Allgemein wird die Entscheidung des Gerichts als Zeichen bewertet, dass von den wesentlichen Vorwürfen der Anklage nichts übrig bleiben wird.

„Das ist ein Signal, ein Signal auch an die Staatsanwaltschaft“, sagte Eulenbruch gegenüber unserer Zeitung. „Ich war es nicht und habe immer mit einem Freispruch gerechnet“, so Eulenbruch weiter. Doch die Nachricht von der Aufhebung des Haftbefehls zu hören, dass sei noch mal etwas anderes, eine große Erleichterung.

Angesichts der im Laufe von 20 Verhandlungstagen immer weiter weggebrochenen Indizien mutete es für Prozessbeobachter am vergangenen Freitag völlig unverständlich an, dass der Staatsanwalt es ablehnte, der von den Verteidigern beantragten Aufhebung der Haftbefehle zuzustimmen.

Juristisch geriet er ins Stammeln, sprach weiter von dringendem Tatverdacht und Verdunkelungsgefahr. Das sieht die zuständige Große Strafkammer 9 offenbar anders, sie hob die Haftbefehle am Dienstagnachmittag auf. Für Eulenbruch ist nun ein Freispruch in greifbare Nähe gerückt.

Fortgesetzt wird der Prozess, der im August 2016 begonnen hatte, am 29. März. Bis zu einer Entscheidung des Landgerichts dürfte danach nicht mehr all zu viel Zeit vergehen. Hans Eulenbruch und dem Mitangeklagten Thomas M. (53) werden unter anderem schwere Brandstiftung und Versicherungsbetrug vorgeworfen. Sie sollen am 6. Mai 2015 einen Raubüberfall vorgetäuscht und „Harms am Wall“ in Brand gesetzt haben, um Geld für zerstörtes Inventar zu kassieren.

Eulenbruch war im historischen Gebäude Mieter, nicht Inhaber. Das Modehaus wurde völlig zerstört, der Schaden geht in die Millionen.