HASSEL - Die Hortensien-Schnippler gehen derzeit wieder um in der Gemeinde Wiefelstede (Kreis Ammerland). Die Polizei in Wiefelstede meldet vier aktuelle Fälle, bei denen Unbekannte die Hortensien in fremden Gärten vornehmlich im Außenbereich beschnitten haben. Wie bei Gerda Hellmers in Hassel, wo sich Unbekannte sogar gleich zweimal bedienten. Die Polizei geht davon aus, dass die Täter die Pflanzenteile vermutlich als Rauschmittel konsumieren wollen, was so Kriminaloberkommissar Hartmut Dreesmann vom Polizeikommissariat Westerstede mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden sein kann.
Gerda Hellmers fühlt sich von solchen Vorgängen direkt vor ihrem Wohnzimmerfenster schon auch bedroht. Und deshalb hat sie soeben 14 ihrer 20 Hortensien komplett aus ihrem Garten entfernt die, die entweder sehr dicht an ihrem Haus standen und diejenigen, die auf dem hinteren Teil ihres Grundstücks wuchsen, auf das man nur sehr umständlich gelangt. Sie hat natürlich auch davon gehört, dass sich die Triebe-Diebe mit ihrer Beute berauschen wollen. Und sie geht deshalb davon aus, dass die Täter wohl eher junge Leute waren. Die Sorge mancher Polizeidienststelle, eine Berichterstattung über das Thema könne Nachahmer auf den Plan rufen, teilt sie so nicht: Das Thema ist doch längst überall rum.
Auch in der Nachbarschaft von Gerda Hellmers in Hassel sind nach Angaben der Polizei Hortensien in einem Bauerngarten recht ruppig abgeschnitten und Teile der Pflanzen entwendet worden. Ähnliche Fälle wurden zudem aus Borbeck und Heidkamperfeld gemeldet.
Hartmut Dreesmann räumt ein, dass sich auch im Bereich Westerstede Meldungen über solche Vorfälle häufen, wie stets zu dieser Jahreszeit. Der Sachbearbeiter für Betäubungsmittel warnt allerdings vor dem Konsum der Hortensienbestandteile: Beim Verbrennen wird Blausäure freigesetzt. Und das so der Fachmann sei gefährlich und hochgiftig. Zudem müssten die Schnippler, wenn sie denn erwischt werden, mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen. Außerdem sei höchst fraglich, ob mit dem Konsum wirklich rauschähnliche Zustände hervorgerufen werden.
Anzeige gegen die Triebe-Diebe wird nur selten erstattet, weiß auch die Polizei in Wiefelstede. Und Dreesmann ergänzt: Leute, denen das passiert, rufen in erster Linie bei der Polizei an, weil sie wissen wollen, was die Unbekannten damit wohl bezwecken.
Auch Gerda Hellmers hat keine Anzeige erstattet. Ich möchte nur niemanden Unbekannten so nah am Haus haben, sagt die Hasselerin. Und deshalb soll die Polizei schon wissen, wenn so etwas passiert.
