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Bericht aus dem Kreißsaal bereitet Gänsehaut

24.12.2016

Wildeshausen Ein friedlicher Ort ist die Entbindungsstation im Krankenhaus Johanneum in Wildeshausen an diesem Vormittag. Am Eingang ist auf der Glastür „Kreißsaal“ zu lesen, daneben ist ein Storch abgebildet, der ein Bündel im Schnabel trägt. Festliche Dekoration ziert den Eingangsbereich, Tannenzapfen, ein paar grüne Zweige, rote Christbaumkugeln. Auch Weihnachtskekse aus der krankenhauseigenen Bäckerei stehen bereit. Dann tritt Mandy Völsgen zügigen Schrittes aus einem der beiden Kreißsäle. In ihren Armen, in eine rosafarbene Decke gewickelt, trägt sie einen Säugling. Er erblickte gerade erst vor ein paar Stunden das Licht der Welt.

Nachts drei Geburten

Mandy Völsgen ist Hebamme und verhalf dem kleinen Menschen in der Nacht auf die Welt. Ganz so friedlich, wie der Kreißsaal jetzt gerade ist, war die Nacht für die Hebamme nämlich nicht. „Jetzt bin ich entspannt“, sagt Völsgen als sie sich setzt, streicht sich die Haare aus dem Gesicht und trinkt einen Schluck Wasser. Drei Geburten nacheinander standen in der Nacht an. An solchen Tagen sind Fachärzte und Hebammen 24 Stunden auf den Beinen. „Ich bin nicht zum Schlafen gekommen.“ Dafür schläft das Neugeborene jetzt friedlich in ihren Armen. Solche Nächte seien schon anstrengend, gibt Völsgen zu. Müdigkeit gibt es dann nicht. „Man muss dann richtig wach sein.“ Alle Geburten seien gut verlaufen.

Das Johanneum erlebt einen regelrechten Babyboom: Im November wurde dort das 500. Baby zur Welt gebracht – allein im vergangenen Jahr waren 448 Jungen und Mädchen zur Welt gekommen. Zwei Kreißsäle gibt es in Wildeshausen – mit warmen Wandfarben und angenehmem Licht wirken die Zimmer einladend.

Was Mandy Völsgen schon öfter beobachtet hatte: Frauen entbinden tagsüber nicht so häufig. „Wissenschaftlich belegt ist es sicherlich nicht, aber gefühlt scheinen viele Geburten – zumindest sehe ich das so – in die frühen Morgenstunden zu fallen. Los geht es dann meistens schon nachts.“ Seit 20 Jahren arbeitet die Hebamme in Wildeshausen. Wie viele Kinder sie schon auf die Welt geholt hat, kann sie kaum zählen. Um die 2000 seien es – und das allein nur in diesen 20 Jahren.

Auch Ute Wrehe kann kaum abschätzen, bei wie vielen Geburten sie schon dabei war. Sie arbeitet seit mehr als 25 Jahren als Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie hält ein Neugeborenes im Arm, in einen gelben Schlafsack gehüllt schläft es friedlich. Im „Fresskoma“ sei es, scherzen Wrehe und Völsgen. Das Baby kam erst vor drei Tagen auf die Welt.

Nach so vielen Jahren und Erfahrungen im Beruf ist Ute Wrehe zwar etwas von Routine, aber nichts von verloren gegangener Begeisterung anzumerken. Wenn sie über die Geburten im Kreißsaal spricht, leuchten ihre Augen, als sei es ihr erster Tag im Beruf. „Es bleibt für uns auch ein Wunder“, sagt sie. Beim Thema Geburt kommen sie und Mandy Völsgen regelrecht ins Schwärmen. „Wir müssen zusammenwachsen. Das fängt mit der Geburt an“, sagt Wrehe – auch im Hinblick auf den Migrationshintergrund. Denn auch Frauen aus Bulgarien, Iran oder Rumänien entbinden im Johanneum.

Gänsehaut-Gefühl

Wenn das Baby dann erst einmal „frisch geschlüpft“ auf der Brust der Mutter liegt, fragen sich Hebamme und Ärztin stets: Wie passte ein ganzer Mensch da rein? „Ich bekomm’ eine Gänsehaut“, geben die beiden immer wieder zu, während sie die Eindrücke ihrer Arbeit schildern.

Mandy Völsgen kann sich noch gut an die beeindruckendste Geburt erinnern. „Die Mutter hatte schon drei oder vier Kinder. Es war eine Wassergeburt.“ Wassergeburten habe man im Übrigen von Naturvölkern übernommen, erklärt Ute Wrehe. Die Maoris beispielsweise, das indigene Volk Neuseelands, hätten diese Methode schon früh für sich entdeckt.

Die Entbindung der mehrfachen Mutter sei schnell abgelaufen, erzählt Völsgen weiter. Die Frau sei dabei die ganze Zeit völlig ruhig gewesen, habe keinen Ton von sich gegeben.

Eine Ruhe, die nicht selbstverständlich ist – zumindest heutzutage. „Oft sind die Frauen mittlerweile viel zu verkopft“, stellt Völsgen in ihrer langjährigen Erfahrung als Hebamme fest. Häufig würden sich die Schwangeren viel anlesen, einige kämen sogar mit einem aufgeschriebenen Geburtsplan in den Kreißsaal. „Die Frauen kommen mit festen Vorstellungen hier her“, bestätigt Ute Wrehe. Doch sie weiß: Eine Entbindung ist eben nicht planbar.

Und noch eine Entwicklung stellten die beiden Frauen im Laufe ihrer Karriere fest: War es früher noch seltener der Fall, sind heute die werdenden Väter bei der Geburt öfter dabei. Sie müssten es nicht tun, wollten es aber gern, erzählen Wrehe und Völsgen.

Sieger-Babys nach WM

Dass sie Kinder um und an Weihnachten auf die Welt holt, erlebte Mandy Völsgen schon öfter. „Natürlich ist das etwas Besonderes. Das ist das ,Christkind‘“, sagt sie und lächelt. Dass der Dezember mit den „Christkindern“ einer der geburtenreichsten Monate sei, könne sie aber nicht bestätigen – zumindest nicht in Wildeshausen. Nach der Fußball-WM 2014 zum Beispiel seien gut neun Monate später ganz viele „Sieger-Babys“ auf die Welt gekommen. Nicht zu vergessen das bekannte Gildefest in Wildeshausen: Etwa neun Monate später werde dann auch mehr als sonst entbunden. Demnach dürfte der nächste „Schwung“ ungefähr im Februar zu erwarten sein.

Verena Sieling
Wildeshausen
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2708

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