Oldenburg - Am voraussichtlich vorletzten Verhandlungstag im Mordprozess hat der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel Reue gezeigt und sich bei den Angehörigen der Opfer entschuldigt. Die Staatsanwaltschaft wirft Högel dreifachen Mord und zweifachen Mordversuch an Patienten im Klinikum Delmenhorst vor. Im Plädoyer forderte sie deshalb lebenslange Haft. Högel habe aus niederen Beweggründen und mit Heimtücke gehandelt. Die Nebenklage forderte ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe.

„Natürlich ist es so, dass mir das alles leid tut, dass ich Schuld bin“, erklärte der Angeklagte am Donnerstag: „Es ist absolut klar, dass das Strafmaß, das ich zu erwarten habe, gerecht ist.“ Ausführlich antwortete Högel auch auf Fragen von Richter Sebastian Bührmann. Noch einmal bestätigte er, für mindestens 90 versuchte und 30 vollendete Tötungen am Klinikum Delmenhorst verantwortlich zu sein. Tötungen an anderen Arbeitsstätten bestritt er allerdings. Zuvor hatte der Angeklagte fast ein halbes Jahr lang eisern geschwiegen.

Der 38-Jährige wandte sich im Gerichtssaal auch direkt an die anwesenden Angehörigen, die als Nebenkläger auftreten. „Ich kann nur für die Angehörigen hoffen, dass mit meinem Strafmaß ein Abschluss gefunden werden kann.“ Högel beteuerte: „Es tut mir wirklich leid.“

Der Angeklagte beteuerte erneut, außerhalb von Delmenhorst keinem Patienten geschadet zu haben. Zu seinen Motiven sagte er vor Gericht: „Es war eine Anspannung da und eine Erwartungshaltung, was passiert gleich.“ Nach einer erfolgreichen Wiederbelebung habe er sich gut gefühlt. Wenn der Patient gestorben sei, sei er jedoch niedergeschmettert gewesen. Dann habe er sich vorgenommen, keine tödlichen Notfälle mehr auszulösen. Das Gefühl habe aber nicht lange angehalten. „Das verblasste mit der Zeit.“

Die Staatsanwaltschaft wirft Högel dreifachen Mord und zweifachen Mordversuch an Patienten im Klinikum Delmenhorst vor. Im Plädoyer forderte sie deshalb lebenslange Haft für Högel. Die besondere Schwere der Schuld sei gegeben, der Angeklagte habe aus niederen Beweggründen und mit Heimtücke gehandelt.

Hintergrund: Getötet aus Angst vor dem Tod, Nordwest-Zeitung, 13. Februar 2015

Alles zum Mordprozess gegen Niels Högel im NWZ-Spezial

Björn Buske
Björn Buske Online-Redaktion