Cloppenburg - Schwere Vorwürfe gegen den Juristen und früheren SPD-Fraktionsvorsitzenden im Cloppenburger Stadtrat, Adem Ortac, erhebt ein ehrenamtlicher Flüchtlingsbetreuer aus der Nähe von Krefeld (Nordrhein-Westfalen). Zu dessen Schützlingen zählt unter anderem auch ein 20-jähriger Iraker, der Mandant von Ortac ist.
Nach NWZ-Informationen ist der Kontakt zu Ortac 2015 entstanden. Landsleute hatten dem damals in einer Bielefelder Unterkunft lebenden jungen Mann geraten, sich mit der Bitte um Unterstützung an den Cloppenburger Rechtsanwalt zu wenden. Der übernahm das Mandat für den Iraker in dessen Asylverfahren – aktuell droht dem jungen Mann die Abschiebung.
Für sein Engagement habe der 20-Jährige, der sich um die Anerkennung als Flüchtling durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) bemüht, dem Cloppenburger Anwalt bei einem Treffen in Cloppenburg den Betrag von 750 Euro in bar gezahlt. Den dafür als Gegenleistung erwarteten anwaltlichen Beistand dafür habe der Iraker allerdings nicht erhalten. Jedoch habe der Cloppenburger Jurist dem 20-Jährigen in einem Brief mitgeteilt, dass im Erfolgsfall eine Prämie von 1500 Euro zu seinen Gunsten fällig werde.
Trotz, wie der Betreuer im NWZ-Gespräch betonte, „hartnäckiger Bemühungen“ seien bislang alle Versuche, Kontakt mit Ortac aufzunehmen, erfolglos verlaufen. Zunächst wollte der Flüchtlingshelfer aus der Nähe von Krefeld, der eine Anerkennung des Irakers als Flüchtling akut gefährdet sieht, bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg Strafanzeige erstatten.
Davon will er inzwischen jedoch absehen, nachdem ihm die lokale Flüchtlingshilfe kurzfristig ihre Unterstützung in Aussicht gestellt hat. Eine Anwaltskanzlei vor Ort wird sich auf dem Wege der Amtshilfe des Falles annehmen. Ortac selbst war für eine Stellungnahme am Freitag nicht zu erreichen.
Zum Hintergrund: Gegen den 38-jährigen Rechtsanwalt hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg ein Ermittlungsverfahren wegen des dringenden Verdachts der Urkundenfälschung und gewerbsmäßigen Betruges eingeleitet. Zunächst standen 18 Fälle im Raum, die alle aus dem Juni 2016 datieren. Inzwischen ist nach NWZ-Informationen ein 19. Fall hinzugekommen.
Anfang Februar hatte das Amtsgericht Oldenburg gegen Ortac ein vorläufiges Berufsverbot verhängt. Diese Maßnahme wurde vom Landgericht Oldenburg wegen des Vorliegens eines dringenden Tatverdachts bestätigt. Das Verbot dauert weiterhin an. Die Mandanten werden von anderen durch die Anwaltskammer benannten Juristen vertreten.
Das hat Torben Tölle, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg, am Freitag auf Nachfrage bestätigt. Details könne er allerdings nicht mitteilen, so Tölle, weil es sich um ein laufendes Verfahren handele.
