HUDE - Keine zehn Minuten erzählen die Frauen von ihrem Hobby, ausgerechnet da geht der Pieper los. Alle schrecken von ihren Stühlen hoch, Tanja ruft noch ein „Entschuldigung, wir müssen zum Einsatz!“ über die Schulter und im Lauftempo verschwinden die jungen Frauen in Richtung der Einsatzfahrzeuge. Nur Minuten später schälen sie sich wieder aus ihrer Feuerwehrkluft – Fehlalarm. „Das sind die besten Einsätze“, sagt Tanja Konegen-Peters und lässt sich in einen Stuhl fallen. Aber selbst nach einer Entwarnung sei es gar nicht so einfach, wieder herunterzukommen. „Das Adrenalin ist noch im Blut“, meint Stephanie Meyer.
Poster im Zimmer
Tanja Konegen-Peters war die erste Frau, die in den aktiven Dienst der Freiwilligen Feuerwehr Hude eintrat. Das war vor zehn Jahren, damals war sie 16 Jahre alt. Heute sind insgesamt fünf Frauen aktiv dabei, die fast alle miteinander verwandt sind. Neben Konegen-Peters und ihrer Cousine Stephanie Meyer sind ihre Schwestern Nicole Suhr und Julia Henning in der Feuerwehr. „Habe ich schon erwähnt, dass unsere Väter in der Feuerwehr sind und wir alle vier mit Feuerwehrmännern verheiratet sind?“, fragt Tanja Konegen-Peters augenzwinkernd. Als fünfte Frau ist noch die 22-jährige Sabrina Heier im aktiven Dienst.
Auf die Frage, was ihnen an ihrem Hobby gefällt, sind sich Tanja Konegen-Peters, ihre Cousine und ihre beiden Schwestern sofort einig: Es mache Spaß und sie könnten helfen. „Ich habe von klein auf Poster aus einem Feuerwehrheft im Zimmer aufgehangen“, erzählt Nicole Suhr. Stephanie Meyer berichtet, dass sie regelrecht auf ihren 16. Geburtstag gewartet habe, um endlich aktiv dabei sein zu können. Ein Leben ohne die Feuerwehr, das können sich die vier jungen Frauen gar nicht mehr vorstellen. Das gehe so weit, dass sie bei Umzügen die Entfernung zum Feuerwehrhaus mit einkalkulieren.
Keine Hindernisse
Natürlich bekommen sie durch ihre Arbeit auch viel Leid zu sehen. Unfälle und Selbstmorde seien die schwersten Einsätze, erzählen sie. Nachteile hätten sie als Frauen bei den Einsätzen aber keine. „Wir sind voll drin und gleichberechtigt“, sagt Julia Henning. „Alle machen das gleiche.“ Auch körperlich gebe es keine Hindernisse. Keine Frau müsse besonders sportlich sein, um mitmachen zu können. „Es gibt auch Männer, die nicht schwer heben können“, meint Tanja Konegen-Peters. Für jeden gebe es etwas zu tun und letztlich zähle sowieso die Teamarbeit.
Innerhalb der Feuerwehr stieß nur Tanja Konegen-Peters in den ersten Wochen auf Skepsis. Die männlichen Kollegen hätten sich vor typisch mädchenhaften Reaktionen gefürchtet, etwa die Sorge um die Fingernägel oder die Frisur, erzählt sie. „Die haben aber schnell gemerkt, dass wir nicht so sind.“ Auch Kleidung und Ausrüstung behindern die Frauen nicht bei ihrer Arbeit – längst hat sich der Handel auf Frauengrößen eingestellt.
Wöchentlicher Treff
Über neue Mitglieder würden sie sich sehr freuen, betonen die Frauen. Jeder, der gerne in die Arbeit hineinschnuppern möchte, ist daher herzlich eingeladen, zum wöchentlichen Treff montags zwischen 20 und 22 Uhr ins Feuerwehrhaus (Parkstraße 53) zu kommen.
