Wardenburg - Die gute Nachricht gleich zuerst: „Nein, Wardenburg wäre nicht abgesoffen.“ Ortsbrandmeister Stefan Buschmann ist in seinem Fazit eindeutig. Sicher macht ihn da die nächtliche Übung, die die Freiwillige Feuerwehr Wardenburg und das Technische Hilfswerk am Montagabend gemeinsam an der Wardenburger Huntebrücke absolviert haben.
Steigendes Hochwasser macht das Schließen der beiden Deichscharte – der Durchbrüche für die Straße – notwendig, um ein Überfluten des Ortskerns zu verhindern. So lautet das Szenario, als kurz nach 20 Uhr Feuerwehr und THW mit jeweils 20 Mann und insgesamt neun Einsatzwagen anrücken, um den Ernstfall zu proben. Das nach dem letzten Hochwasser 1998 angeschaffte Schart aus Aluminiumprofilen mit Gummidichtung – vorher waren es Holzbohlen – wird innerhalb weniger Minuten quer über die Huntestraße verlegt. Dabei stellt sich heraus, dass die Bodenhülsen, an denen die Profile Halt finden sollen, von Unbekannten verschraubt worden sind – vermutlich um eine Stolperfalle zu entschärfen.
Nur weil es sich um eine Übung handelte, nehmen sich THW und Feuerwehr die Zeit, die massiven Schutzplatten abzuschrauben. „Im Ernstfall fackeln wir da nicht so lange“, verspricht Buschmann. Bei der gemeinsamen Übung wird Arbeitsteilung groß geschrieben: Das THW transportiert die im Feuerwehrhaus gelagerten Aluminiumprofile bis an den Deich, dort wuchten die Katastrophenhelfer mit den Feuerwehrleuten die Metallelemente auf die Straße und schichten sie zu einer Mauer auf. Kleine Ritzen, durch die das Huntewasser drücken könnte, werden mit Sandsäcken abgedichtet. Gerade für die jungen Feuerwehrleute ist das Füllen und Schleppen der Sandsäcke ungewohnt.
Dirk Fürst, beim THW zuständig für die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, betont die Bedeutung gemeinsamer Übungen. Im Ernstfall sei es ein immenser Vorteil, wenn alle Seiten über die Möglichkeiten der anderen Bescheid wüssten. Ortsbrandmeister Stefan Buschmann sieht das genauso und betont bei der Nachbesprechung im THW-Quartier an der Rheinstraße: „Alleine sind wir stark, aber gemeinsam noch viel stärker.“
Im dritten oder vierten Quartal 2013 erwartet die Feuerwehr ihren neuen Logistikwagen GW-L2, der dann ebenfalls zum Transport des Scharts eingesetzt werden kann. Das bedeute aber kein Ende der Zusammenarbeit mit dem THW, sondern im Gegenteil eine weitere Verbesserung der Schlagkraft bei gemeinsamen Einsätzen, verspricht Buschmann.
