Westerstede/Westerscheps - Welche schlimmen Folgen das Posten von Mutmaßungen und unbewiesenen Sachverhalten auf Facebook haben kann, macht ein Vorfall aus dem Ammerland deutlich: In dem Sozialen Netzwerk war in einer geschlossen Westersteder Facebook-Gruppe wild über die Umstände spekuliert worden, die zum Tod eines 55-jähriger geführt haben sollen. Doch der Mann lebt; er war nach NWZ -Recherchen bei einem Vorfall verletzt worden und befindet sich nun in einer Kurzzeitpflegeinrichtung.

Eine Westerstederin, die sich an die NWZ  wandte, hatte das mediale Drama öffentlich gemacht. Sie hatte sich danach erkundigt, warum die NWZ  nicht über den Tod des 55-Jährigen und dessen Umstände berichte. Viele auf Facebook wollten wissen, was passiert sei und ob die Täter gefasst seien.

Was war tatsächlich geschehen? „Der Betroffene ist bei einem Vorfall, der sich am 19. Oktober ereignete, verletzt worden“, sagte Rolf Kramer, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes bei der Polizei in Westerstede, auf Anfrage der NWZ . Der Mann, der in der Behindertenwerkstatt Westerscheps arbeite, sei am besagten Tag zusammen mit anderen mit Gartenarbeiten beschäftigt gewesen. Als nach getaner Arbeit – wie sonst auch – mit einer Luftdruckpistole die Gartengeräte gereinigt wurden, hätten sich die Arbeiter untereinander geärgert. Einer habe dem Westersteder die Luftdruckpistole an die Hose gehalten und abgedrückt.

Am nächsten Tag sei es dem 55-Jährigen so schlecht gegangen, dass er in eine Klinik gebracht worden sei. Dort habe man eine Darmverletzung festgestellt. Nach dem Krankenhausaufenthalt wurde der Mann in ein Kurzzeitpflegeeinrichtung gebracht. „Es ist moralisch verwerflich, Behauptungen aus der Gerüchteküche zu veröffentlichen“, sagt Kramer.

Wie die Westerstederin, die sich an die NWZ  wandte, in einem Telefonat sagte, habe in der Facebook-Gruppe jemand wohl eher flapsig gefragt, ob der 55-jährige, der vielen in der Ammerländer Kreisstadt als Radfahrer bekannt sei, noch lebe. In diversen Kommentaren und Antworten darauf sei es dann heiß her gegangen und es sei wild spekuliert worden.

Selbst Flüchtlinge sollten schuld an dem angeblichen Tod des 55-Jährigen gewesen sein, hieß es in der Facebookgruppe. Mittlerweile ist der Eintrag sowie Kommentare und Antworten aber gelöscht worden.

Doris Grove-Mittwede
Doris Grove-Mittwede Redaktion Westerstede