• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Moorbrand kann noch Wochen dauern

20.09.2018

Im Nordwesten Auch gut zwei Wochen nach dem Ausbruch eines Moorbrandes auf einem Waffentestgelände der Bundeswehr in Niedersachsen rechnen die Behörden mit einem noch langen Kampf gegen das Feuer. Ein Ende des Einsatzes ist aus Bundeswehrsicht noch nicht absehbar. Nach Einschätzung des Brand- und Katastrophenschutzexperten des niedersächsischen Innenministeriums, Klaus Wickboldt, dauert es noch ein bis zwei Wochen, bis alle Glutnester erstickt sind.

Lambert Brand, Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbandes (Foto: Ellen Kranz)

Der Brand, der durch Raketentests Anfang September auf der Wehrtechnischen Dienststelle für Waffen und Munition (WTD 91) in Meppen ausgelöst worden war, hat sich inzwischen auf einer Fläche größer als 1000 Fußballfelder ausgedehnt. Die Feuerwehr verhinderte ein Übergreifen auf einen angrenzenden Wald. Erschwert wird der Löscheinsatz der rund 850 Einsatzkräfte durch vermutete Munitionsreste in dem seit 1876 als Übungsgelände genutzten Moor. Aus Sicherheitsgründen können die Feuerwehrkräfte das Moorgelände nicht überall betreten.

Zahlreiche Feuerwehrleute kommen aus dem Emsland und Ostfriesland. Auch sind Kräfte der Raffinerie Lingen und der Berufsfeuerwehr Osnabrück vor Ort. Mindestens 20 Fahrzeuge des Technischen Hilfswerkes stehen nahe der Brandstelle. Sie kommen unter anderem aus Meppen, Varel, Braunschweig, Lingen, Papenburg und Syke.

Seit dem 3. September brennen Teile des Moorgebietes auf dem Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 91 bei Meppen.

Der Brand lodert nach Angaben der Bundeswehr auf einer Fläche von rund fünf Quadratkilometern. Das Feuer habe sich teilweise bis zu einem Meter tief unter der Erde ausgebreitet.

Mehr als 1000 Helfer von Bundeswehrfeuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW) sowie Feuerwehren aus dem Umland kämpfen vor Ort gegen den Brand.

Mit Wasserwerfern werden bis zu 20 000 Liter Wasser pro Minute in das Moor gepumpt. Am Freitag waren es noch rund 5000 Liter.

Wie viel CO2 freigesetzt wurde, ist derzeit noch unklar. Ein Sprecher der Nabu schätzt, dass bisher zwischen 500 000 und 900 000 Tonnen Kohlenstoffdioxid freigesetzt wurden. Das entspreche dem Jahresverbrauch von 50 000 Bürger.

In Mooren werden laut Nabu etwa ein Drittel der terrestrischen Kohlenstoffvorräte gelagert – rund doppelt so viel wie in allen Wäldern der Erde zusammen.

Die Rauchwolke reichte am Dienstagabend bis ins mehr als 100 Kilometer entfernte Bremen und sorgte dort neben der Geruchsbelästigung auch für Beeinträchtigungen der Sicht.

Begünstigt wurde die Ausbreitung der Wolke durch eine spezielle Wetterlage, bei der sich die Luft nur träge verbreitet hatte.

Die Kosten des Großeinsatzes trägt die Bundeswehr nach Angaben eines Sprechers selbst.

Bereits im Jahr 2010 war auf dem Übungsgelände bei Meppen ein Brand ausgebrochen. Dieser konnte erst nach sechs Wochen gelöscht werden.

Der Brandgeruch hatte sich am Mittag abgeschwächt, bericht unsere Reporterin Ellen Kranz vor Ort. Auch sei zeitweise nur eine schwache Rauchwolke zu sehen. „Der Wind hat gedreht“, sagte Lambert Brand. Moorbrände seien so schwer zu löschen, weil die Flammen sich unterirdisch weiter ausbreiteten. Teilweise entwickle sich das Feuer in einigen Metern Tiefe weiter. Regen helfe, um den Brand an der Oberfläche einzudämmen. Unterirdisch schwele der Brand dennoch weiter.

„Der Wind ist wieder da“, sagte Rita Eikens aus Stavern. „Es ist wie gestern. Wir haben wieder Angst.“ Am Dienstag sei es „schrecklich“ gewesen. Man habe nicht mehr nach draußen gehen, nicht mehr atmen können. Es sei geradezu bedrohlich, unheimlich gewesen. „Die Leute fuhren mit Nebelschlussleuchten durchs Dorf“, berichtet Rita Eikens. „Selbst der Hund wollte nicht mehr raus.“ Eine spezielle Information für Anwohner habe es nicht gegeben, auch sie hätten nur die Nachrichten im Radio gehört. Claudia Krallmann aus dem Nachbarort Sögel sagt: „Die Kinder hier hatten gestern Angst. Sie konnten nicht mehr atmen.“

Für den Fall einer Zuspitzung der Lage hat das Land Niedersachsen Vorbereitungen zur Evakuierung Hunderter Anwohner getroffen. Um welche Gebiete es sich konkret handeln könnte, lasse sich angesichts der unklaren Entwicklung nicht sagen, erklärte Klaus Wickboldt.

Ein Verbindungsbeamter sei in den Führungsstab der Brandbekämpfer entsandt worden, die unter Leitung der Bundeswehr stehen. Innenstaatssekretär Stephan Manke (SPD) werde sich am Donnerstag vor Ort ein Bild der Lage machen.

Am Dienstagabend hatte es starken Brandgeruch und Sichtbehinderungen im mehr als 100 Kilometer entfernten Bremen und im Nordwesten von Niedersachsen gegeben. Hier waren die Landkreise Ammerland, Wesermarsch, Cloppenburg, Vechta, Oldenburg, Osterholz, Diepholz, Verden und Emsland, die Städte Oldenburg und Delmenhorst betroffen.

Zeltstadt des Technischen Hilfswerkes in Klein-Stavern: Die Helfer kommen aus ganz Niedersachsen. (Foto: Ellen Kranz)

Am Mittwoch wirkte sich der Brand wieder vor allem auf das nähere Umland aus. „Wir konnten die Warnung auf den Kreis Emsland eingrenzen“, sagte ein Sprecher der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen. Am Vorabend waren auch die Bewohner der Kreise Oldenburg, Verden, Cloppenburg, Vechta und Diepholz sowie Bremen betroffen gewesen. In der Hansestadt hatte es Hunderte Notrufe gegeben. Inzwischen wird auch in weiteren Kreisen Geruchsbelästigung bemerkt. So melden die NWZ-Kollegen in Bad Zwischenahn am Mittwochabend, dass es im Ort schon wieder „ordentlich stinkt“. Auch in der Stadt Oldenburg war ab 17.30 Uhr wieder starker Rauchgeruch zu bemerken.

Nahe der Brandstelle. Diese Schlauchleitungen könnten zur Vorsorge dienen. (Foto: Ellen Kranz)

Die Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen rät weiterhin Fenster und Türen geschlossen zu halten, sobald Rauch aufzieht. Klimaanlagen für Hausbelüftungen sollten abgeschaltet werden. Am Mittag zog der Rauch Richtung Papenburg.

Kritik der Feuerwehr

„Wir mussten das Personal in der Leitstelle aufstocken“, berichtete indes der Bremer Feuerwehrsprecher. Er wiederholte dabei seine Kritik, dass es keine ausreichenden Informationen über das Geschehen auf Gelände der Wehrtechnischen Dienststelle bei Meppen gebe. „Wir haben keinerlei Prognose“, sagte er. Eine spezielle Wetterlage, bei der sich die Luft nur träge verbreitet, war nach Angaben Verkehrsmanagementzentrale Grund für die weiträumigen Auswirkungen des Brandes.

Entstanden war das Feuer vor über einer Woche auf dem Gelände der wehrtechnischen Dienststelle bei einem Waffentest: Von einem Hubschrauber hatten Soldaten Raketen abgefeuert. Eigentlich hätte die Bundeswehr-Feuerwehr mit einer Löschraupe das Feuer nach dem Test gleich löschen sollen, doch die Löschraupe fiel aus und ein weiteres solches Fahrzeug war gerade in der Werkstatt. So konnte sich der Schwelbrand im Moorgebiet ausbreiten, bis ein Löschhubschrauber einsatzbereit war.

Stellungnahme der Bundeswehr

Die Bundeswehr kündigte eine umfassende Überprüfung des Moorbrandes an. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Selbstverständlich wird auch die Bundeswehr intern der Frage nachgehen, ob bei dem Test in Meppen geltende Vorschriften verletzt beziehungsweise Ermessensspielräume falsch genutzt wurden oder es eventuell Regelungslücken bei den Brandschutzvorschriften der Bundeswehr gibt, die wir schließen müssen.“

Ministerpräsident Weil kritisiert Schießübungen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Schießübung der Bundeswehr kritisiert, die den Moorbrand ausgelöst hat. „Wenn ich ehrlich sein soll: ich wäre gar nicht auf die Idee gekommen, nach diesem trockenen Sommer ausgerechnet im Moor Schießübungen zu veranstalten“, sagte Weil am Mittwoch in Hannover. „Das muss vielleicht einmal gründlich nachbereitet werden, wenn die aktuelle Situation geklärt ist.“ Das Verteidigungsministerium müsse in den eigenen Reihen Ursachenforschung betreiben. „Die Situation zurzeit ist bedenklich“, sagte Weil.

Auch andere Landespolitiker reagierten irritiert auf den Brand: Der Grünen-Abgeordnete Christian Meyer stellte nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen die Verantwortlichen bei der Bundeswehr wegen fahrlässiger Brandstiftung. Auch Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) äußerte sich empört: „Wenn jetzt auch noch klar ist, dass das Löschfahrzeug nicht einsatzfähig war, dann ist es mehr als fahrlässig.“

Selbst aus dem All war der Moorbrand zu sehen, teilte der Deutsche Wetterdienst auf Twitter mit. Auf einem Satellitenbild vom Dienstagnachmittag war die Richtung Nordosten ziehende Rauchsäule gut zu erkennen.

Lesen Sie mehr zum Moorbrand in Meppen unter www.NWZonline.de/moorbrand-meppen

Inga Wolter
stv. Ltg.
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2155

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.