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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Warum kam die Hilfe für die „Glory Amsterdam“ so spät?

12.06.2018

Im Nordwesten Eine Vielzahl politischer Gremien hat in den vergangenen Monaten vergeblich versucht, Klarheit in die Vorgänge zu bringen, die am 29.Oktober 2017 dazu geführt haben, dass der 220 Meter lange Frachter vor der ostfriesischen Insel Langeoog strandete.

Unzufrieden über den Bericht des Bundesverkehrsministeriums äußerten sich jetzt auch FDP-Bundestagsabgeordnete in einer erneuten Anfrage an die Bundesregierung. Weite Teile der Vorkommnisse zwischen 5.15 Uhr – das ist der Zeitpunkt, an dem das Treiben der „Glory Amsterdam“ den Sicherheitsbehörden an der Küste bekannt wurde – und der Strandung des Schiffes um 18:45 Uhr seien im Ungewissen, beklagen die Parlamentarier.

Das 220 Meter lange Schiff hatte in der Nähe von Helgoland auf Reede gelegen und war bei Sturm am frühen Morgen trotz zweier ausgebrachter Anker in der Nähe von Helgoland ins Treiben geraten. Ab etwa 8.10 Uhr war der Notschlepper „Nordic“ bei dem Havaristen und hat dem Frachter offenbar mehrfach Hilfe angeboten. Die FDP-Abgeordneten wollen nun wissen, warum das Verkehrsministerium in seinem Bericht an keiner Stelle die mehrfache Ablehnung durch den chinesischen Kapitän erwähnt.

Erst gegen 12 Uhr wurde die „Glory Amsterdam“ durch eine schifffahrtspolizeiliche Anordnung zur Annahme von Hilfe aufgefordert. Warum dies nicht eher geschehen sei, möchten die Abgeordneten ebenso wissen, wie den Grund dafür, warum nicht frühzeitig ein Seelotse oder ein Nautiker der Schifffahrtsverwaltung als Koordinator auf den treibenden Frachter gebracht wurde. Verschiedene Experten sowie die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste, ein Zusammenschluss von Kommunen, Landkreisen und Umweltverbänden, hatten in den vergangenen Monaten darauf hingewiesen, dass eine solche Maßnahme helfen könne, Missverständnisse oder falsches Handeln der Schiffsbesatzung in kritischen Situationen zu vermeiden.

So war bei einem späteren Schleppversuch eine Verbindungsleine von der Besatzung an einem dafür ungeeigneten Poller an der Steuerbordseite des Frachters angebracht worden statt wie vom Schlepper angeordnet die dafür vorgesehenen Poller im Heck des treibenden Schiffes zu belegen. Die Schleppleine hatte den zu schwachen Poller nach kurzer Zeit aus dem Deck des Schiffes herausgerissen.

Kritische Fragen stellen die FDP-Abgeordneten auch zu dem Hubschraubereinsatz. So wollen sie wissen, warum ein Hubschrauber der Bundespolizei für die etwa 85 Seemeilen vom Landeplatz Fuhlendorf in Schleswig-Holstein mehr als zwei Stunden gebraucht habe, um die „Glory Amsterdam“ zu erreichen. Außerdem fragen sie danach, warum keine Hubschrauber der Marine oder des Lotsenversetzdienstes Wiking eingesetzt worden seien.

Ein weiteres gravierendes Problem ergab sich, als der Pilot des Polizeihubschraubers ein auf dem Schlepper „Nordic“ stationiertes Boardingteam wegen der Wetterbedingungen nicht aufnehmen konnte, um es auf die „Glory Amsterdam“ zu bringen. Der Vorschlag des Schlepperkapitäns, das Spezialistenteam in Küstennähe „unter Landschutz“ aufzunehmen, war vom Havariekommando in Cuxhaven, das den Gesamteinsatz leitete, abgelehnt worden. Stattdessen wurde angeordnet, das Boardingteam Ostsee aus Warnemünde zu holen. Als dies endlich einsatzfähig auf der „Glory Amsterdam“ war, musste der Rettungseinsatz abgebrochen werden, weil der havarierte Frachter inzwischen in so flachem Wasser trieb, dass weitere Schleppversuche nicht mehr möglich waren.

Jürgen Westerhoff
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2055

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