Bad Zwischenahn - Nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf einen nackten Randalierer in Rostrup (Gemeinde Bad Zwischenahn) hat am Montag die Obduktion der Leiche begonnen. Die Staatsanwaltschaft erhoffe sich dadurch weitere Erkenntnisse zum genauen Ablauf des Polizeieinsatzes, so Carolin Castagna, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Zudem würden Zeugen befragt und die Spuren ausgewertet. Das Ergebnis soll in einigen Wochen vorliegen.

Die Anklagebehörde ermittelt gegen den Polizeibeamten „routinemäßig wegen eines Tötungsdeliktes“, so Castagna. „Die ersten Anhaltspunkte deuten aber eindeutig in Richtung Nothilfe.“ Die polizeilichen Ermittlungen hat die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta übernommen.

Der Polizist hatte am Sonntag mehrfach auf den 31-Jährigen geschossen, nachdem dieser mit einem Messer auf seinen am Boden liegenden Kollegen, der beim Zurückweichen vor dem Mann gestolpert war, eingestochen hatte. Der vorherige Einsatz von Pfefferspray hatte laut Polizei keine Wirkung gezeigt. Beide Beamte sind derzeit krankgeschrieben und werden seit dem Einsatz auch psychologisch betreut. Der 31-jährige Angreifer hatte einen der Beamten an Arm und Händen verletzt.

Von 2011 bis 2014 mussten Beamte im Gebiet der Polizeidirektion Oldenburg dreimal auf Menschen schießen. In allen drei Fällen erlitten diese tödliche Verletzungen. So hatte am 20. Oktober 2014 ein 24-jähriger Polizist in Reitland (Gemeinde Stadland/Kreis Wesermarsch) einen 77-jährigen Rentner erschossen, der mit Schreckschusswaffen gedroht hatte, die als solche nicht zu erkennen waren. Die Staatsanwaltschaft stellte das Ermittlungsverfahren wegen Totschlags gegen ihn ein.

Am 1. August 2012 hatte ein Polizist einen 51-Jährigen im Elsflether Ortsteil Moorhausen mit seiner Dienstwaffe tödlich verletzt. Am Nachmittag waren ein Mitarbeiter des Landkreises Wesermarsch, ein Arzt und zwei Polizisten zu dem Reetdach-Haus an der Grenze zu Oldenburg gefahren, um eine Zwangseinweisung des Mannes in eine psychiatrische Klinik zu prüfen. Beim Öffnen der Tür sei der 51-Jährige sofort auf die Polizisten losgestürmt und habe einen Beamten mit einem Hammer mehrfach auf den Kopf geschlagen. Daraufhin zog der zweite Polizist die Dienstwaffe, feuerte drei Schüsse auf den Angreifer ab. Ein Ermittlungsverfahren wurde eingestellt.

Am 27. Oktober 2011 hatte ein Polizist aus Notwehr in Cuxhaven auf einen Obdachlosen tödliche Schüsse abgegeben. Der Mann hatte mehrere Beamte angegriffen und dabei mit der Hand in sein Jackeninneres gegriffen. Die Staatsanwaltschaft sprach von einer „eindeutigen Bedrohungslage“.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)