Etzhorn - Wenn es um die richtige Strategie für den Umgang mit Bahnlärm geht, gilt in Oldenburg seit Jahren: viele Vorschläge, noch mehr Meinungen. Das wurde auch bei der Versammlung am Dienstagabend im Etzhorner Krug deutlich, wo die Befürworter der Umgehungstrasse bei den Anwohnern im Nordosten der Stadt für ihre Idee warben, die Schienen durch Etzhorn und Bornhorst zu legen. Sie trafen auf äußerst skeptische Zuhörer.

Die Vereine und Initiativen IBO (Interessengemeinschaft der Bahnanlieger in Oldenburg), Live (Lärmschutz im Verkehr) und ILQ (Initiative Lebensqualität an der Bahn) stellten den rund 60 Besuchern ihre Argumente für den Bau der Umgehung vor. Eingeladen hatten sie Jörg Beutz, der in Sande für die Umgehung gekämpft hatte und bestätigte, dass dies (wenn auch mit vielen Schwierigkeiten) zu schaffen sei.

Das Hauptargument brachte Christian Nocke vom Akustikbüro Oldenburg mit einem Gutachten vor. Exemplarisch hatte er die Lärmentwicklung durch eine mögliche Bahnstrecke im Bereich der Überführung der Autobahn 29 über die Elsflether Straße untersucht. Christian Nockes Fazit: „Es würde keine signifikante Lärmzunahme durch die Bahnstrecke geben.“

Die Autobahn sei ohnehin schon laut, sagte er. Zudem würde der Damm den Bahnlärm zur einen Seite hin abschirmen. Seiner Rechnung nach würde die Lautstärke zum Teil sogar sinken, da die Schienenstrecke zwangsläufig Lärmschutzwände mitbringen würde, die auch auf den Lärm von der Autobahn Einfluss hätten.

„Das ist der Trick“, warb Grünen-Ratsherr und Live-Vorstand Armin Frühauf für den Plan. Die Autobahn habe Bestandsschutz. Wenn man aber die Bahnstrecke parallel zur und nahe an der Straße errichte, und die Lärmschutzwand bei diesem Neubau gesetzlich vorgeschrieben sei, würde man logischerweise die Autobahn mit hinter die Wand nehmen und diese nicht zwischen Schiene und Straße bauen.

Die Anwohner zeigten sich bezüglich der Pläne äußerst skeptisch. Sie wiesen auf die Lärmspitzen durch den Zugverkehr hin, die eine andere Qualität hätten als das durchgehende Rauschen des Autoverkehrs. Zudem beschrieben sie sich als gebrannte Kinder, die sich schon beim Bau der Autobahn hätten einlullen lassen und heute ohne Lärmschutz dastünden.

Die Gastgeber verwiesen auf veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen, die dies heute nicht mehr zuließen. Zudem zeigten sie sich äußerst sicher, dass die Umgehung aus wirtschaftlichen Gründen irgendwann sowieso gebaut werden müsse. Unnötige Investitionen in die Stadtstrecke sollten daher verhindert werden.

Linken-Ratsherr Hans-Henning Adler kündigte derweil an, dass seine Fraktion im Rat eine konsultative Bürgerbefragung zum Thema Stadtstrecke versus Umgehung beantragen werde. Dies könne man parallel zur Landtagswahl durchführen. „Die Ergebnisse sind rechtlich nicht bindend, haben aber hohes politisches Gewicht.“

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)