Praktisch erleben – das beugt vor. Was Präventionstage in Schulen leisten können, erläutern Frank Richter, Lehrer der BBS, und Sozialpädagoge Johannes Petri erläutern im NWZ-Gespräch.
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Von Karin Olliges
Frage:
Herr Richter, am 7. und 8. Juni finden an den Berufsbildenden Schulen Friesoythe Präventionstage statt. Was erwartet die Schüler?
Richter:
Wir haben zwei Schwerpunkte gesetzt. Zum einen werden Veranstaltungen zum Thema Drogen und Prävention stattfinden, zum anderen geht es um Verkehrsunfälle unter Alkohol- sowie Drogeneinfluss und deren Konsequenzen. Schüler können zum Beispiel auf dem Pausenhof ein präpariertes Unfallauto begutachten, einen Drogenhund bei der Arbeit beobachten und mit einem „Gurtschlitten“ eine Vollbremsung erleben.
Frage:
Was passiert beim Gurtschlitten?
Richter:
Ein Schüler wird in einen Sitz geschnallt, auf 50 Stundenkilometer beschleunigt und prallt so auf einen Prellbock. Da kriegt man eine Ahnung von der enormen Wirkung eines Aufpralls schon bei geringer Geschwindigkeit.
Frage:
Gibt es noch andere Vorführungen?
Petri:
Ja, in einem „Rettungssimulator“ werden ein mehrfacher Autoüberschlag und die anschließende Rettung dargestellt. Kollegen der Kraftfahrzeug-Abteilung am Standort Scheefenkamp haben dieses an runden Metallbügeln montierte Auto vor einiger Zeit entwickelt.
Frage:
Wer nimmt noch an den Aktionen teil?
Petri:
Zoll, Kriminal- und Verkehrspolizei. Auch eine Notärztin berichtet von ihrer Arbeit. Der Präventionsrat und die Fachstelle für Suchtprävention aus Cloppenburg sind mit Vorträgen dabei.
Frage:
Was erwarten Sie von den Präventionstagen?
Richter:
Die Schüler sollen Gefahren emotional nachvollziehen können. Viele von ihnen sind viel zu waghalsig im Straßenverkehr, weil sie keine Vorstellung von den Gefahren haben. Wenn sie einen simulierten Unfall am eigenen Leib erfahren, wird ihnen das hoffentlich die Augen öffnen. Und natürlich hoffen wir, dass die Infos über Drogenkonsum ebenfalls Wirkung zeigen. Fachleute sind da vielleicht erfolgreicher als Lehrer.
Frage:
Die Präventionstage sind einmalig im Landkreis Cloppenburg. Was hat Sie zu dieser Veranstaltung bewegt?
Petri:
In dieser Region gab es schon viele Verkehrsunfälle mit alkoholisierten Fahrern unter 24 Jahren, die schwer verletzt wurden oder sogar starben. Auch einige unserer Schüler wurden schon mit Alkohol am Steuer erwischt oder standen unter Drogen.
Frage:
Gehörten auch schon Schüler Ihrer Schule zu solchen Verkehrsopfern?
Richter:
Ja, ich musste schon zu vier Schülerbeerdigungen. Das tut weh. Da ist jedes Opfer ein Opfer zu viel. Wir können daher nie genug für die Vorbeugung tun und werden diese Aktion deshalb in Zukunft auch wiederholen.