ISERNHAGEN - Statt eine von einer Bürgerin abgegebene Pistole zu vernichten, hat die Gemeinde Isernhagen die Waffe an einen Waffensammler weitergegeben. Eine 63-jährige Frau hatte die Pistole der Marke Bernadelli Mitte April dem örtlichen Ordnungsamt überlassen, damit diese vernichtet wird. Sie war damit dem Aufruf nach dem Amoklauf von Winnenden gefolgt, illegale Waffen freiwillig abzugeben. Die Frau hatte die Bernadelli von ihrer Mutter geerbt und wollte sie loswerden.
Umso empörter war sie nach einem Bericht der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“, als sie erfuhr, dass die Waffe nicht eingeschmolzen, sondern an einen Sammler weitergegeben worden war.
Dabei habe es sich um ein Versehen gehandelt, „das nicht wieder vorkommen wird“, sagte Isernhagens Verwaltungschef Frank Niemeier am Dienstag. Geld habe das Ordnungsamt für die Waffe nicht erhalten. Ihr Wert beläuft sich nach Auskunft der Gemeinde auf unter 100 Euro. Waffenverkäufer bezeichnen die Bernadelli, Kaliber 6,35 Millimeter, im Internet allerdings als Rarität.
In der vergangenen Woche hat die Bundesregierung ein schärferes Waffenrecht beschlossen. Darin ist auch die Amnestieregelung geplant, die in Niedersachsen bereits weitgehend praktiziert wird: Wer seine illegalen Waffen bis Ende 2009 abgibt, bleibt straffrei.
Nach Angaben des Innenministeriums wurden in Niedersachsen bereits Hunderte von Gewehren und Pistolen freiwillig abgegeben. Im Gegenzug wurde das Ermittlungsverfahren gegen die Besitzer eingestellt, insofern keine weiteren Straftaten vorlagen und die Herkunft der Waffe geklärt werden konnte.
