Hildesheim/Göttingen - Mit der Jagd kennen sie sich zwar aus, doch diesmal sind die Jäger selbst das Ziel: Radikale Tierschützer haben es offenbar auf Einrichtungen der Jägerschaft in Südniedersachsen abgesehen. In einer Serie von Anschlägen brannte zuletzt in der Nacht auf vergangenen Sonnabend ein Schießstand in Banteln im Landkreis Hildesheim nieder.

Thomas Hohendahl, Vorsitzender des Betreibervereins Schießstand Oberg, spricht von einem Schaden von 150 .000 Euro. Die Brandstifter hatten einen Zünder mit einer Zeitschaltuhr installiert. „Sie haben auch Feuerlöscher abgebaut und in den Brandherd gelegt, damit man ja nicht hätte eingreifen können“, berichtet er.

Bekannt dazu haben sich in Schreiben und Internetforen Aktivisten der sogenannten Animal Liberation Front (ALF). Sie hätten den Schießstand „kostenfrei renoviert“, heißt es darin provokativ. Zudem verweist die Gruppe auf weitere Taten. Bekennerschreiben im selben Stil dazu finden sich ebenfalls im Netz.

So will die Gruppe im Juni 2015 in eine Schliefenanlage, in der Jagdhunde ausgebildet werden, eingebrochen sein, um Füchse freizulassen. Im folgenden Dezember brannte an selber Stelle das dortige Vereinsheim. Ein weiteres Feuer legte laut eigener Aussage die ALF Ende März am Unterstand eines Hundevereins in Klein Schneen im Landkreis Göttingen.

„Trotz dieses Schuldeingeständnisses ermitteln wir in alle Richtungen“, sagt Christina Pannek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hildesheim. Bis auf die Aussage, dass man Zusammenhänge zwischen den Anschlägen prüfe, hält sie sich aber zu Details bedeckt.

„Der Staat ist nun gefordert, Eigentum zu schützen“, fordert indes der Vorsitzende der Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke. Er empfindet die ALF-Anschläge als „politische Gewalt“. „Die Täter glauben, gesellschaftliche Veränderungen durch Straftaten herbeiführen zu müssen.“ Dabei sei die Jägerschaft zu Diskussionen über das Wie der Jagd bereit. „Aber auf der Basis von Wildbiologie und Tierschutz, nicht auf der Basis von Ideologie.“

In Banteln will sich der Verein indes nicht ins Bockshorn jagen lassen und plant den Wiederaufbau der Schießanlage. Daran ändert auch die Drohung mit „Renovierungen im privaten Bereich“ im Bekennerschreiben nichts. Das Tierwohl hätten die Aktivisten im Übrigen ohnehin nicht im Blick, meint Hohendahl nach dem Anschlag. Denn: „Die haben hier zwei Junghasen verbrannt und ein paar Vogelnester abgeflammt.“

Patrick Buck
Patrick Buck Redaktion Oldenburg (Stv. Leitung)