Nordenham - Seit vielen Jahren wird kontrovers diskutiert, ob der Seenpark III bei Coldewärf ganzjährig vom Leinenzwang befreit wird. Bisher müssen Hundebesitzer ihre Vierbeiner dort beim Spazierengehen in der Zeit vom 1. April bis 15. Juli – während der Brut- und Setzzeit von Vögeln und Wildtieren – anleinen.
Die Jägerschaft hat den Leinenzwang stets als wichtig eingestuft. So betonte im April 2012 Kreisjägermeister Eckard Busch gegenüber der NWZ : Kein Hundehalter könne garantieren, dass sein Tier nicht stört, auch wenn der Hund noch so gut abgerichtet ist.
Ideales Gelände
Viele Hundefreunde meinen dagegen, es gebe nicht genug Freilaufflächen, der Park sei ideal geeignet und ein Leinenzwang hier unsinnig.
Denn hier seien keine Bodenbrüter anzutreffen und auch kein Reh gesichtet worden, so im November vergangenen Jahres der neue Verein „In Sachen Hund“.
Jetzt fordern auch der Tiersuchdienst Wesermarsch, einzelne Hundehalter sowie die SPD und die WIN im Stadtrat, dass der Seenpark III als ganzjähriges Hundelaufgebiet ausgewiesen wird.
Tiersuchdienst-Vorsitzende Heidi Huth-Hinrichs geht dort zwei- bis dreimal am Tag mit ihrem Parson-Russel-Terrier Tony spazieren. Rehe habe sie dort noch nicht gesehen und von Wildunfällen habe sie noch nichts gehört, sagte sie kürzlich der NWZ .
Hält die Jägerschaft dennoch an ihrer Position fest? Was meint der Leiter des Hegerings Nordenham, Jörg Hullmann zu Forderungen, den Leinenzwang abzuschaffen? „Das ist gefährlich. Es gibt eine konkrete Unfallgefährdung und wir denken uns das nicht aus“, antwortet er auf Nachfrage der NWZ .
„Wir Jäger sind grundsätzlich für ausgewiesene Freilaufflächen im Stadtgebiet, aber bitte nicht im Seenpark III, denn dort haben wir einen starken Rehwildwechsel. Hasen gibt es dort auch. Aus Gründen der Verkehrssicherheit empfehlen wir einen ganzjährigen Leinenzwang.“
Die Freilaufflächen sind laut Hegeringleiter nur 50 Meter von der viel befahrenen Bundesstraße 212 entfernt. Am 20. März dieses Jahres gab es einen Unfall, bei dem ein Hund von einem Auto angefahren und schwer verletzt worden ist.
Im Bereich der aufgeschütteten Hügel im Seenparkgelände hatte der frei laufende Hund eines Nordenhamer Bürgers ein Reh aufgestöbert und Richtung Bundesstraße gehetzt. Das Reh gelangte unversehrt auf die andere Straßenseite, während der Hund von einem Auto erfasst wurde.
Mehr Rehwild
Der Hegering hält die Ausweisung weiterer Freilaufflächen für Hunde im Stadtgebiet für dringend erforderlich. Viele Jäger sind selbst Hundehalter. In Zusammenarbeit mit Kreisjägermeister Eckard Busch weist der Hegering in einer Stellungnahme an die Stadt auf die Gefahren beim Seenpark III hin, zumal die Rehwildbestände im gesamten Stadtgebiet zunehmen – auch dort.
Auf der Bundesstraße entlang dieses Parkes und des gegenüber liegenden Stadtwaldes haben sich laut Hegering in den vergangenen zehn Jahren etwa 30 Unfälle mit Rehwild ereignet – überwiegend in den frühen Morgen- und späten Abendstunden. Über Unfälle mit Füchsen und Hasen liegen keine genauen Zahlen vor, aber von etwa fünf Unfällen jährlich wird ausgegangen.
Zum Vorschlag des Tiersuchdienstes, den Seenpark III zur Bundesstraße mit einem Zaun abzugrenzen, meint Hegeringleiter Jörg Hullmann: Dann müsste auch ein Zaun entlang des Stadtwaldes aufgebaut werden. Mehr noch: Der gesamte Park müsste eingezäunt werden, um zu verhindern, dass Rehwild über Naturschutzbereiche dorthin gelangt und von einem Hund mit Jagdtrieb angefallen und dabei verletzt oder tot gebissen wird.
Jörg Hullmanns Fazit: „Das alles sind gewichtige Argumente. Es geht um die Sicherheit von Mensch und Tier.“
