JEVER - Die von dem Italiener Adriano Baldo und seiner Frau Uschi betriebene Disco Queens Pub am Alten Markt in Jever war nicht nur legendär. Sie spielt auch eine wichtige Rolle in einem der spannendsten Fälle der jeverschen Kriminalgeschichte. Am Morgen des 30. Oktober 1980 brannte das Gebäude am Alten Markt 2 aus, ein 76-jähriger Bewohner starb an einer Rauchvergiftung.
Schnell stand fest, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde, berichtet der pensionierte Kripo-Beamte Herbert Steinhagen aus Jever, der die Ermittlungen vor Ort geleitet hat. Bald schaltete sich auch das Landeskriminalamt ein. Denn damals gab es in ganz Niedersachsen Brandanschläge auf italienische Diskotheken und Pizzerien, die der Mafia zugeordnet wurden. Die eigens gegründete Sonderkommission (Soko) Zitrone interessierte sich für den Fall in Jever, da sie Verbindungen zu den Mafia-Anschlägen vermutete.
In seinem Buch Der Mob über das organisierte Verbrechen beschreibt Autor Dagobert Lindlau, was sich damals in Jever zugetragen hat: Demnach hatte der ebenfalls italienische Besitzer einer anderen jeverschen Diskothek Brandstifter aus seiner Heimat angeheuert, um den Queens Pub abzufackeln. Die Täter brachen ein Brett aus der Tür der Diskothek, kippten Benzin aus einem Kanister in den Innenraum und zündeten es an.
Das Haus brannte lichterloh, zwei Bewohnern gelang die Flucht vor den Flammen, für den 76-jährigen Rentner kam aber jede Hilfe zu spät. Er wurde nach den Löscharbeiten tot unter einem Fenster gefunden.
Dicke Rauchwolken standen über Jever, der Feuerwehr gelang es, ein Übergreifen der Flammen auf die Nachbarhäuser in der eng bebauten Altstadt zu verhindern. Es war ein furchtbares Ereignis, erinnert sich Uschi Baldo an den Brand und seine tragischen Folgen.
Durch den Tod des Rentners wurde aus der Brandstiftung ein Tötungsdelikt. Sowohl der Anstifter als auch die Brandstifter wurden geschnappt und landeten im Gefängnis. Der Mafia-Verdacht hat sich laut Herbert Steinhagen im Zuge der weiteren Ermittlungen und Prozesse aber nicht bestätigt. Es war eine Einzeltat der Täter wollte sich wohl unliebsame Konkurrenz vom Hals schaffen, erzählt er.
Das Ehepaar Baldo baute das Haus wieder auf, den Queens Pub (heute Chill Out) gab es noch einige Jahre. Heute betreibt Uschi Baldo die Gaststätte Kajüte in Jever.
Wie berichtet, findet an diesem Sonnabend, 12. Februar, in der Halle hinter dem benachbarten Jever Fass am Alten Markt eine Queens-Pub-Revival-Party statt, die an die legendäre Disco erinnern soll. Los geht es um 20 Uhr, Karten gibt es an der Abendkasse. Für Oldie-Musik sorgt DJ Werner.
