JEVER - Trauriges Ende einer schönen Maifeier: Der stattliche Maibaum, den der Bürgerverein Jever, die Volkstanzgruppe Jever, die Buskohl-Püttgemeinschaft und der Schützenhof am Freitagabend beim Schützenhof aufgestellt haben, ist in der Nacht darauf rüde gefällt worden. Die Täter waren vermutlich gegen fünf Uhr morgens mit der Kettensäge angerückt. Der abgesägte, 1,5 Tonnen schwere, etwa zwölf Meter hohe und mit einer Girlande geschmückte Stamm krachte in den Biergarten. Dabei wurden mehrere Bänke und Stühle beschädigt. Der Sachschaden beträgt rund 1500 Euro.
„Das ist nicht das Ritual, das wir uns hier in Friesland wünschen, das ist pure Zerstörungswut“, kommentierte Ratsherr Hans Matern den Frevel. Offenbar hatten die Täter versucht, den Maibaum zu stehlen, ihn dann aber einfach liegen lassen. Zunächst hatten sie die Schraube in der Halterung gelöst und dann die Kettensäge angesetzt.
Der stattliche und aufwendig geschmückte Baum war von den Mitgliedern der Vereine am Freitagabend mit vereinten Kräften aufgestellt worden.
Am Sonntag trafen sich Mitglieder der beteiligten Vereine, um den Maibaum zu bergen. Dabei kam auch die Idee auf, den Stamm herzurichten und wieder aufzustellen. „Schließlich wollen wir solchen Chaoten nicht klein beigeben“, so Ratsherr Dieter Vahlenkamp. Eine endgültige Entscheidung soll aber erst an diesem Montag fallen.
Zunächst wollen die Vereinsmitglieder den Stamm auf mögliche Schäden untersuchen. „Wir müssen sehen, ob beim Sturz Risse entstanden sind und auch den Stammfuß erst wieder für die Halterung präparieren“, sagte Hans Wegener von der Volkstanzgruppe Jever, der maßgeblich am Aufbau beteiligt war. Drei Stunden lang hatten die Aktiven den Stamm am Freitag vorbereitet, zuvor war von vielen Helfern die Girlande aus Tannengrün gebunden und geschmückt worden.
„Ich finde es traurig, dass so eine Gemeinschaftsarbeit einfach kaputt gemacht wird“, sagte Wegener am Sonntag mit Blick auf den umgestürzten Baum. Eine solche Tat demotiviere die Helfer und zerstöre Traditionen.
Üblicherweise müssen beim Baumstehlen Spatenstiche gesetzt oder muss mit dem Spaten gegen den Stamm geklopft werden. Dann gilt der Baum als gestohlen und darf abgebaut und abtransportiert werden. Stehlen darf einen Baum nur, wer selbst einen aufgestellt hat. „Dass man mit der Kettensäge zum Maibaumstehlen loszieht, ist indiskutabel“, so Vahlenkamp.
Wegener ist zumindest froh, dass beim Sturz des Baums nur Sachschaden entstand. Leicht hätte auch jemand zu Schaden kommen können.
Auch aus Sicht der Polizei ist das Vorgehen der Täter „nicht mehr mit dem Brauchtumsgedanken vereinbar“. Sie hat ein Strafverfahren eingeleitet und bittet Zeugen, sich unter Tel. 0446/92110 beim Kommissariat in Jever zu melden. Schützenhof-Wirt Stephan Eden lobte spontan 750 Euro Belohnung für Hinweise aus, die zu den Tätern führen.
Mit der rabiaten Fällaktion in Jever haben die Täter gleich doppelten Schaden angerichtet.
Der 1,5 Tonnen schwere Baum krachte zu Boden und zerstörte Mobiliar und Girlanden. Dabei entstand ein Sachschaden von 1500 Euro. Viel größer ist aber der ideelle Schaden. Solche Taten zerstören Brauchtum und Tradition und nehmen Menschen die Freude an gemeinsamen Aktivitäten.
Insofern ist die Überlegung des Bürgervereins, der Volkstanzgruppe und der Püttgemeinschaft, den gefällten Baum herzurichten und wieder aufzustellen, richtig. Die Vereine sollten sich von Ignoranten nicht entmutigen lassen.
