Jever/Schortens - Es ist laut unter der Brücke an der Bundesstraße 210, Abfahrt Jever Ost. Autos, Kleintransporter und Lastwagen passieren im Sekundentakt die Kontrollstelle der Polizeiinspektion Friesland-Wilhelmshaven, die im Rahmen der Geschwindigkeitsmesswoche eingerichtet wurde. Obwohl die Beamten am Mittwoch wegen der Kontrollen die erlaubte Geschwindigkeit an dieser Stelle von 100 auf 50 km/h reduziert haben, lärmen Reifen auf dem Asphalt und dröhnen Motorengeräusche.
Auf der B 210 zwischen Schortens und Jever stellen Landkreis und Polizei bei Geschwindigkeitskontrollen immer wieder dramatische Spitzen fest. Mit 220 km/h etwa wurde ein Fahrer Anfang August 2018 geblitzt.
Auch die Zahl der Unfälle hat zugenommen: von 28 im Jahr 2016 auf 34 im vergangenen Jahr. Und im ersten Halbjahr 2018 hat die Polizei bereits 21 Unfälle auf der Strecke aufgenommen.
Schwierige Bedingungen
Polizeioberkommissar Tim Bache blinzelt gegen die Sonne. Er versucht zu verstehen, was ihm der Kollege von der Messstelle unter der Brücke an der Bahnhofstraße Schortens ins Funkgerät brüllt. Tim Bache beobachtet den Verkehr, dann reißt er die Kelle hoch. Er hat den Verkehrssünder anhand der Informationen von der Messstelle identifiziert und schickt ihn auf den Standstreifen. „Der hat den Sperrstreifen überfahren“, brüllt er seinen Kollegen zu und übertönt damit den Verkehrslärm.
Der Fahrer wird belehrt, er muss sich nicht zu seinem Vergehen äußern, er bekommt alles noch mal schriftlich per Post. „Es ist trotzdem wichtig, dass wir heute hier stehen“, betont Bache. „Es ist was anderes, wenn ein Autofahrer von uns rausgewunken wird. Das hat auch einen erzieherischen Effekt.“
Dass dieser Effekt einigen Temposündern und Verkehrsrowdys auf der B 210 gut tun würde, zeigen auch die Zahlen. In den ersten zweieinhalb Stunden der Kontrolle messen Kriminalhauptkommissar Andreas Kreye und Polizeikommissar Thorben Klein mit dem Handlaser 38 Geschwindigkeitsverstöße.
Trauriger Rekord
Trauriger Rekord: ein Fahrer fährt 140 km/h bei erlaubten 100 km/h. „Einige fahren hier so schnell wie auf der Autobahn“, sagt Kreye. „Das ist aber wahnsinnig gefährlich, denn es handelt sich schließlich um eine Bundesstraße.“ Gerade auf diesem Abschnitt gibt es keine Mittelleitplanke, wer von seiner Fahrspur abkommt, rast ungebremst in den Gegenverkehr.
Die B 210 zwischen den Anschlussstellen Schortens und Jever-West hat sich zu einem Unfallschwerpunkt entwickelt. Erst im Mai dieses Jahres hatte es auf der B 210 einen schweren Unfall gegeben, bei dem vier Personen ums Leben gekommen waren und sieben weitere teils schwer verletzt wurden. Ein Fahrer war in den Gegenverkehr geraten, drei Autos kollidierten.
„Dieser Unfall und folgende Geschwindigkeitsmessungen des Landkreises auf der B 210 zwischen Jever und Schortens haben noch einmal deutlich gezeigt, dass der Bedarf für Kontrollen da ist“, sagt Peter Beer, Kommissariatsleiter in Jever. „Bei dieser Kontrolle haben wir in nur vier Stunden 91 Verstöße festgestellt. Davon 60 Geschwindigkeitsverstöße und 31 gegen das Überholverbot. Das ist ein erschreckendes Ergebnis.“
Die Reaktionen auf die Geschwindigkeits- und Überholkontrollen der Polizei sind gemischt. „Es kommt bei jeder Kontrolle vor, dass sich der eine oder andere sehr aufregt“, sagt Bache. Steven Erhardts Ärger hält sich dagegen in Grenzen. „Pech gehabt“, sagt der Wilhelmshavener, der mit seiner Familie auf dem Weg nach Wittmund mit 114 km/h unterwegs war. „Ich war so ins Gespräch vertieft, da habe ich nicht auf den Tacho geachtet“, sagt er.
