Varel - Dramatische Szenen hatten sich am 11. Dezember 2012 in der Kassenzone des Famila-Marktes in Varel abgespielt. Ein junger Mann war auf eine Kasse zugestürmt, hatte in die gerade geöffnete Kasse gegriffen und einige Geldscheine geraubt. Die Kassiererin, die er bei der Tat verletzte, versuchte den Raub zu verhindern. Es gelang ihr jedoch nicht.
Der Mann verletzte sie an der Hand und am Ohrläppchen: Die Hand, die seinen Griff abwehren sollte, wurde an die Kasse geschlagen, einen Ring riss er ihr aus dem Ohrläppchen.
Ein halbes Jahr später ist ein junger Mann aus Varel wegen Raubes vor dem Schöffengericht Varel angeklagt. Allerdings gibt es noch keinen Termin für den Strafprozess, er wird demnächst gefunden werden, ist Amtsgerichtsdirektor Jörg Duvenhorst sicher.
Der 21-jährige Vareler war kurz nach der Tat und intensiver Ermittlungsarbeit der Polizei als tatverdächtig festgenommen worden (die NWZ berichtete). Ein Warenhaus-Detektiv hatte die Verfolgung aufgenommen, Kunden des Marktes hatten laut um Hilfe gerufen. Der Täter war über die Bundesstraße geflüchtet, doch konnte er später in seiner Wohnung gestellt werden. Auf seiner Flucht war er beobachtet worden. Die Polizei konnte ihn deshalb rasch dingfest machen. Er hatte die Tat auch vor dem Haftrichter gestanden, weshalb der Haftbefehl gegen ihn – immerhin geht es um Raub – unter Auflagen außer Vollzug gesetzt wurde.
Die junge Frau an der Kasse versucht den beängstigenden Angriff mittlerweile zu verarbeiten. Ganz verwunden hat sie die Attacke aber nicht, wie ihr Anwalt Jochen Meineke (Bockhorn) mitteilt. Sie wartet auf eine Entschuldigung oder ein entsprechendes Schreiben des Angeklagten.
Einige Zeit war die junge Frau krank gewesen, doch mittlerweile hat sie ihre Tätigkeit an der Kasse wieder aufgenommen. Es war für sie ein Nebenverdienst, in Kürze wird die Schülerin eine Ausbildung beginnen.
Vor Gericht wird sie nun als Nebenklägerin auftreten. Ihr Anwalt kann in dem Verfahren Anträge stellen und beispielsweise Zeugen befragen. Parallel dazu hat sie den jungen Mann aus Varel auf dem Zivilwege auf Schmerzensgeld und Schadensersatz verklagt. Das wird aber unabhängig von dem Strafprozess entschieden.
