Oldenburg - Vor fast genau einem Jahr, am 24. Juli 2015, musste alles ganz schnell gehen: Drei große Kastanien vor der Wohnanlage am Wendehafen/Nikolausstraße wurden gefällt. Die Feuerwehr hatte einen zweiten Rettungsweg gefordert, weil die Mansarden der Wohnhäuser ausgebaut werden sollten, teilte Stadtsprecher Reinhard Schenke damals mit. Wegen der Kastanien vor der Fassade wäre der Anstellwinkel von Leitern im Notfall zu steil, hieß es. Da mussten sofort die Sägen ran.
Ärger bei Bewohnern
Doch heute, zwölf Monate später, ist trotz der fehlenden Kastanien das Problem genauso ungelöst wie vor der Fällaktion. Die Bäume sind zwar weg, aber das Hochbeet, in dem sie standen, ist noch da. Für die Feuerwehr, so Bewohner der Anlage gegenüber der NWZ, habe sich nichts geändert. „Das betrifft nicht nur die künftigen Mansardenwohnungen, sondern auch die Bewohner von oberen Wohnungen“, sagte er. Wenn da etwas passiere, sei die Rettung nach wie vor schwierig.
Die Stadt sieht allerdings zurzeit keinen Anlass zu Eile, weil für sie die Mansarden zählen. Und die angekündigten Mansardenausbauten, die der Besitzer der Wohnungen – ein britischer Immobilienfonds – angekündigt hatte, sind bislang nicht erfolgt. So begründet die Stadt, dass seit der Baumfällung in Sachen Sicherheit nichts passiert sei.
Das Seltsame daran: Schon die Fällung der Bäume kam 30 Jahre zu spät. Denn die war schon beim Bau der Wohnungen Mitte der 80er Jahre angeordnet worden. Dies sei „offenbar nicht kontrolliert worden“, hieß es im Sommer 2015 aus dem Rathaus. Und was das Hochbeet angeht, ist auch der Zusammenhang mit den noch nicht ausgebauten Mansarden offenbar so sicher nicht. Wie Stadtsprecher Reinhard Schenke mitteilte, soll das Hochbeet, das der Feuerwehr im Weg steht, nun binnen zwei Monaten entfernt werden – obwohl derzeit nichts dafür spricht, dass der Wohnungsausbau kurz bevorsteht.
Fünf statt 25 Bäume
Auf der anderen Seite müssen die Anlieger auf die damals angekündigte Ersatzpflanzung für die abgesägten Kastanien noch warten. „Wir wollen erst pflanzen, wenn die Ausbauarbeiten abgeschlossen sind“, sagte Stadtsprecherin Juliane Pflugmacher jetzt der NWZ. Sonst sei die Gefahr zu groß, dass die frisch angepflanzten Bäume durch die Bauarbeiten gleich wieder beschädigt würden. Außerdem, so die Stadtsprecherin, habe sich inzwischen gezeigt, dass die Nikolausstraße für die zunächst großzügig geplante Zahl von 25 neuen Bäumen gar nicht genug Platz hergebe. Darum wurde neu überlegt. Jetzt sollen fünf Bäume gepflanzt werden – allerdings mit einem Stammumfang von 30 bis 35 Zentimetern statt der zunächst vorgesehenen 16 bis 18 Zentimeter.
