Kirchhatten - Busfahren in der Winterzeit macht nicht immer Spaß. Das Warten in der Kälte hat daran einen großen Anteil. Manchmal gibt es aber auch im Bus Grund zum Ärgern. Von dieser Erfahrung berichtete jetzt Heinz Schnitker der NWZ. Der Rentner aus Kirchhatten hatte nach eigenen Angaben an einem Montagmorgen im Dezember den Linienbus 270 an der Haltestelle vorm Rathaus in Kirchhatten betreten. Pünktlich, aber leider überfüllt, sei der Bus erschienen, berichtet Schnitker. Gemeinsam mit fünf weiteren Fahrgästen, darunter einer mit einem Klapprad, habe er das Fahrzeug betreten.
Da es keine freien Sitze mehr gab, entschloss sich der Kirchhatter notgedrungen, stehenzubleiben. Der Busfahrer habe ihn allerdings darauf hingewiesen, der Bus könne erst weiterfahren, wenn kein Passagier mehr stehe, schildert Schnitker den weiteren kuriosen Verlauf seiner Reise. „Der Fahrer war dabei keineswegs unhöflich“, betont Schnitker.
Irritiert, aber notgedrungen, habe er sich deshalb entgegen der Fahrtrichtung auf den Fußboden gesetzt, neben das ungesicherte und auch nicht ganz saubere Klapprad. Sind Sitz- und „Liegeplätze“ auf dem Fußboden der Busse überhaupt erlaubt? Warum gibt es dann überhaupt Stehplätze? Spielt möglicherweise ein besonderes Tempolimit für Busse eine Rolle? Auf diese Fragen hat der Kirchhatter bislang keine Antworten finden können.
Die NWZ-Redaktion schilderte Busunternehmer Leo Wilmering den Fall, da es seine Busse sind, die seit dem 1. August dieses Jahres den öffentlichen Busverkehr als „Verkehrsbetriebe Oldenburg Land“ in den Gemeinden Hatten, Großenkneten, Dötlingen, Wildeshausen und Wardenburg anbieten.
Wilmerings erste Reaktion war ungläubiges Staunen. Es stimme zwar, dass für Busse mit stehenden Fahrgästen eine Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h gelte – wenn alle sitzen, sind es 80 km/h –, aber es gebe keineswegs eine Anweisung, Fahrgäste zum Sitzen auf dem Fußboden zu bewegen. „Für den Fall, dass die Sitzplätze in unseren Bussen besetzt sind, gibt es doch extra Stehplätze“, betont er.
Auch nach Rücksprache mit dem Fahrer des besagten Linienbusses ließ sich der Sachverhalt nicht wirklich klären. Sein Mitarbeiter könne sich nicht erinnern, die geschilderte Anweisung an den Fahrgast gegeben zu haben, so Wilmering. Er vermutet, dass die zurzeit noch verbesserungswürdigen Sprachkenntnisse seines ausländischen Fahrers eine Rolle gespielt haben könnten. Dieser sei ansonsten sehr zuverlässig und motiviert.
Und Heinz Schnitker? Der will auch weiterhin Busfahren. Jetzt kennt er ja seine Rechte noch ein bisschen genauer.
