Kirchhatten - Da war Manfred Wehkamp ziemlich überrascht – und sehr erfreut. Kurz nachdem der 69-jährige Viel-Fahrradfahrer sich Ende April wegen zwei aus seiner Sicht problematischer Radquerungen in der Gemeinde Hatten an die Kreisverwaltung in Wildeshausen und die NWZ gewendet hatte, gingen schon die Umbaumaßnahmen los. Ziel: den verschwenkten Radweg an der Einmündung des Wöschenwegs in die Sandkruger Straße begradigen – und damit mehr Sichtbarkeit und somit Sicherheit schaffen.
Auch an der Ecke Mühlenweg/Hatter Landstraße soll eine solche Verlegung geschehen. Zwar sind die Radfahrer dann länger auf der Straße, doch der Leiter der Straßenmeisterei Oldenburg, Christoph Alterbaum, erklärte damals, dass es häufig besser sei, eine längere Querung für die schwächeren Verkehrsteilnehmer in Kauf zu nehmen, „wenn sie dafür dauerhaft im Sichtfeld der Autofahrer bleiben.“
Verlegung gute Sache
Nachdem die Baufahrzeuge der Straßenmeisterei in Oldenburg, die die Maßnahme im Auftrag der Straßenverkehrsbehörde umsetzt, wieder abgerückt waren, schnappte sich der Ruheständler Wehkamp. der früher täglich von seinem Wohnort Kreyenbrück nach Nadorst in die Stadt Oldenburg radelte, seinen Drahtesel und fuhr die Strecke ab. „Ich finde die Verlegung des Radwegs wirklich super.“
Doch dann kommt das „Aber“. „Die Straßenmarkierungen sind der Verlegung des Radwegs noch nicht angepasst worden. Als Radfahrer weiß man nun nicht genau, wo lang man fahren muss. Und auch die Autofahrer sind irritiert.“
Auch Martin Bruns, Polizeibeamter im „Unruhestand“, wie er selbst sagt, radelt hier beinahe täglich. „Wenn ich Selbstmord betreiben wollte, müsste ich einfach nur immer diese Strecke fahren“, findet er deutliche Worte.
Heike Lüning vom Landkreis Oldenburg kann beruhigen: „Der Auftrag, die alte Markierung zu entfernen und weiter vorne aufzubringen, ist vergeben. Er ist nur derzeit noch nicht umgesetzt.“ Das sei „ärgerlich“, wie sie betont, aber derzeit nicht zu ändern. „Die Firma kommt nicht nur für die fünf Striche.“ Sie hoffe jedoch, dass bald alles abgeschlossen ist. „Die Lösung, die hier gewählt wurde, ist eine gute“, ist sie überzeugt.
Nicht zu Ende gedacht
Das finden auch die beiden Herren – jedenfalls theoretisch. „Ich bin sehr froh, dass für die Radfahrer hier etwas getan wird. Doch mich ärgert es, wenn Baustellen nicht zu Ende ausgeführt werden“, kritisiert Bruns. Er hätte sich gewünscht, dass nicht erst Wochen ins Land gehen, bis der umgelegte Radweg auch als solcher für alle Verkehrsteilnehmer zu erkennen sei. „Das ist einfach gefährlich so“, ist Bruns besorgt.
Vor Ort zeigt sich, dass sowohl Auto-, als auch Radfahrer irritiert sind, wenn sie sich in der Einmündung begegnen. Entweder bremsen Autofahrer nochmals vor der Hauptstraße ab, weil sie wachsam sind und den herannahenden Radfahrer bemerken – oder dieser muss einen Schlenker um das Auto herumfahren. „Und dann fährt man quasi wieder den alten Verlauf des Radweges, der ja noch markiert ist“, wie Wehkamp vor Ort zeigt. Diese alte Markierung indes führt derzeit ins Gras. „Das ist leider nicht zu Ende gedacht“, kritisieren die beiden leidenschaftlichen Radfahrer.
Mit 100 km/h
Wer mit dem Auto aus dem Wöschenweg auf die Sandkruger Straße zufährt, darf theoretisch mit 100 Stundenkilometern unterwegs sein. Außerdem macht die Straße kurz vor der Kreuzung noch einen leichten Rechts-Knick. „Das Vorfahrt-achten-Schild mit dem Hinweis auf querende Radfahrer steht viel zu weit vorne an der Hauptstraße. Und zu weit rechts – zudem ist es jetzt ein wenig von den Büschen eingewachsen. Wenn ich das Schild als Autofahrer sehe, habe ich den Radfahrer schon unter dem Wagen“, ist sich Bruns sicher. Er fordert: „Die Markierung für die Radweg-Querung müsste richtig offensichtlich und warnend sein.“ Und vor allem schnell aufgebracht werden.
„Kommt alles“, so Heike Lüning. „Wenn die Markierung verlegt wird, soll auch das Schild umgestellt werden“, verspricht die Straßenverkehrsamt-Mitarbeiterin.
