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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Klage gegen Högel-Kollegen

26.11.2016

Oldenburg /Delmenhorst Mussten mindestens drei Patienten des Klinikums Delmenhorst sterben, weil Ärzte und Pfleger Niels Högel trotz eines dringenden Tatverdachts weiterarbeiten ließen? Sechs Mitarbeitern des Klinikums soll deshalb der Prozess gemacht werden: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Anklage gegen vier Pflegekräfte und zwei Oberärzte erhoben. Der Vorwurf: Totschlag durch Unterlassung. Sogar an seinem letzten Arbeitstag soll der Pfleger noch eine Patientin getötet haben.

Konkret geht es um die Zeit vom 22. Mai bis zum 24. Juni 2005. Die sechs Klinikmitarbeiter – der damalige Pflegeleiter der Intensivstation (59), seine Stellvertreterinnen (56 und 60), ein 47-jähriger Pfleger sowie zwei 58 und 67 Jahre alte Oberärzte – sollen trotz „Kenntnis von konkreten Vorfällen“ verabredet haben, die Polizei nicht einzuschalten, weil sie das Ansehen der Klinik nicht beschädigen wollten. In dieser Zeit des Stillhaltens soll es laut Staatsanwaltschaft zu drei Tötungen und zwei Tötungsversuchen durch Högel gekommen sein.

An seinem letzten Arbeitstag tötete Högel eine Patientin offenbar nicht mit dem Herzmedikament Gilurytmal, das er in den anderen Fällen als Mordwaffe einsetzte, sondern mit dem Beta-Blocker „Sotalex“. Das geschah zwei Tage, nachdem er von einer Kollegin auf frischer Tat ertappt worden war.

Wie Staatsanwaltschaft und Polizei am Freitag in Oldenburg mitteilten, sind die Ermittlungen der Soko „Kardio“ gegen Högel im Klinikum Delmenhorst weitgehend abgeschlossen. Demnach gehen die Ermittler derzeit von 37 nachweisbaren Taten aus. In sechs Fällen wurde Högel bereits verurteilt.

Der 39-Jährige steht auch im Verdacht, Patienten im Klinikum Oldenburg getötet zu haben. Dort gibt es bislang sechs Verdachtsfälle.

Nebenkläger-Anwältin Gaby Lübben (Delmenhorst) begrüßte die Anklage. Die Beschuldigten hätten „konkrete Hinweise ignoriert“, sagte Lübben der NWZ. Christian Marbach (Ganderkesee), Sprecher von Opfer-Angehörigen, forderte das Klinikum Delmenhorst auf, die (drei) Mitarbeiter, die noch dort tätig sind, „mit sofortiger Wirkung von allen Aufgaben“ freizustellen. Das lehnt das Klinikum ab. Es gelte die Unschuldsvermutung.

Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008
Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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