Brake - Anfahren im fünften Gang? Das gestaltet sich normalerweise schwierig. Für Stephan Sommer ist es kein Problem. Der 33-Jährige ist mit dem neuen Unimog des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) unterwegs.
„Das Fahrzeug hat acht Gänge, wenn ich da im ersten anfahre, muss ich ziemlich viel schalten“, erklärt er. Die ersten vier Gänge des Unimog sind untersetzt, sogenannte Kriechgänge mit Allrad-Antrieb. Mit ihnen kämpft sich das Fahrzeug auch durch extrem unwegsames Gelände oder steile Abhänge hinauf. Genau richtig für einen Landkreis mit 160 Kilometern Deichlinie, fanden das DRK und der Landkreis Wesermarsch.
Der Unimog stammt aus alten Beständen der Bundeswehr, er wurde dem DRK im Rahmen eines bundesweiten Überlassungsabkommens zur Verfügung gestellt. Der Landkreis Wesermarsch hat den Umbau des Fahrzeugs bezuschusst – es wurde umlackiert und mit Funk und Blaulicht ausgestattet.
Jetzt ist der 30 Jahre alte Unimog bereit zum Einsatz. Er soll dem Katastrophenschutz zugeordnet werden und zum Beispiel Material und Arbeitskräfte in überflutete Ge biete zu Deichschadstellen bringen. Denn auch Wasser kann den orangenen Kraftprotz nicht aufhalten. Bis zu 1,20 Meter kann er in Gewässer hineinfahren – „waten“, wie es in Unimog-Fachsprache heißt. Fahren dürfen das neue Einsatzfahrzeug Personen mit einem alten Führerschein Klasse 3 oder einem Lkw- oder Feuerwehrführerschein.
Stephan Sommer bewegt den Unimog schon sehr routiniert, rückwärts einparken auf dem Parkplatz des Landrats hinter dem Kreishaus ist kein Problem. Dort wurden am Donnerstag von Landrat Thomas Brückmann offiziell die Schlüssel des Fahrzeugs an das DRK übergeben. Gleichzeitig bekam das Technische Hilfswerk Wesermarsch ein Notstromaggregat überreicht – auch dieses stammt aus Beständen der Bundeswehr. Das DRK reichte das Gerät an die THW-Kollegen weiter. Sie können mit dem Gerät einen Lichtmast betreiben, der im Notfall ein fußballplatz-großes Gelände ausleuchtet.
Der neue Unimog wird beim DRK in Schwei stationiert, beim sogenannten Küchenteam, dem auch Stephan Sommer zugeordnet ist. Im Katastrophenfall wird er von dort aus angefordert und kann zum Beispiel Sandsäcke zu beschädigten Deichen fahren. Dafür wollen Stephan Sommer und seine DRK-Kollegen mit dem Unimog noch auf einem Bundeswehr-Übungsgelände trainieren.
