• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
46 Millionen Euro für „Seute Deern“
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 2 Minuten.

Bremerhavener Wahrzeichen
46 Millionen Euro für „Seute Deern“

NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Krankenhausmorde: Anklage gegen Oberstaatsanwalt

21.04.2015

Oldenburg /Osnabrück Der ehemalige Krankenpfleger Niels H. könnte für eine der größten Mordserien in Deutschland verantwortlich sein. Doch das ganze Ausmaß seiner Taten am Klinikum Delmenhorst wurde erst viele Jahre später bekannt - möglicherweise weil die Ermittlungen verschleppt worden sind. Die Staatsanwaltschaft in Osnabrück hat Anklage gegen einen früheren Kollegen aus Oldenburg wegen Strafvereitelung im Amt und Rechtsbeugung erhoben. Die Familien der Opfer hatten dem Ex-Oberstaatsanwalt schon länger Versäumnisse vorgeworfen.

Der Ex-Oberstaatsanwalt habe Ermittlungen angefangen und wieder aufgehört, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, Alexander Retemeyer, der Nordwest-Zeitung. „Er hätte das schneller bearbeiten müssen.“

Der Beschuldigte ist inzwischen Richter am Landgericht Oldenburg. Nach Angaben des Landgerichts ist er derzeit krank geschrieben. Das Gericht muss noch entscheiden, ob es zum Prozess kommt. „Die Anklageschrift liegt noch nicht vor“, sagte Gerichtssprecher Michael Herrmann. Nebenkläger-Anwältin Gaby Lübben begrüßte die Anklage. „Es ist gut zu sehen, dass die Kritik an den Ermittlungsbehörden richtig und berechtigt war“, sagte Lübben der Nordwest-Zeitung.

Nebenklägerin Kathrin Lohmann: Sie musste zwölf Jahre auf Antworten warten

„Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Es bestätigt uns in unseren schweren Vorwürfen gegenüber der Staatsanwaltschaft Oldenburg“, teilt Christian Marbach, Sprecher der Nebenkläger im Prozess gegen Högel, mit. Allerdings fordert er im Namen der Nebenkläger die Staatsanwaltschaft Osnabrück auf, alle Erkenntnisse und Informationen offen zu legen. „Der ehemalige Oberstaatsanwalt ist lediglich das Ergebnis einer juristischen Prüfung. Es gab jedoch auch Entscheidungen von Verantwortlichen, die inzwischen juristisch verjährt sind, als auch Fehlentscheidungen, die nicht strafrechtlich verfolgbar sind. Hier erwarten und fordern wir disziplinarische Maßnahmen gegen die Verantwortlichen.“

Bei einer Verurteilung könnte ihm nach Angaben der Osnabrücker Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr drohen. Die Ermittlungen gegen einen weiteren Dezernenten der Oldenburger Staatsanwaltschaft stellte sie ein.

Das Landgericht Oldenburg hatte Niels H. im Februar wegen des Todes von fünf Patienten zu lebenslanger Haft verurteilt. Er hatte Patienten am Klinikum Delmenhorst eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt. 2005 hatte ihn eine Krankenschwester auf frischer Tat ertappt. 2008 verurteilten ihn die Richter in einem ersten Prozess wegen Mordversuchs zu siebeneinhalb Jahren Haft. Zu der zweiten Anklage kam es erst Anfang 2014, nachdem Angehörige beharrlich für die Aufklärung gekämpft und eine andere Oberstaatsanwältin den Fall übernommen hatte.

NWZonline: In unserem Spezial lesen Sie alles zum Krankenpfleger-Prozess

Ihr Vorgänger war von August 2011 bis November 2013 für die Ermittlungen gegen Niels H. zuständig. Die Staatsanwaltschaft in Osnabrück wirft ihm vor, diese in zwei Fälle verschleppt zu haben. Er soll im August 2011 keine weiteren Leichen von Patienten exhumieren lassen haben, obwohl zuvor bei fünf von neun untersuchten Toten Rückstände des Herzmedikaments gefunden worden waren. Ein Jahr später soll er trotz ausreichender Beweise keine Anklage gegen Niels H. erhoben haben. Dieser hatte seine Taten damals vor Mitgefangenen zugegeben.

Im Prozess gestand Niels H. schließlich eine ganze Mordserie. 90 Patienten will er das Herzmedikament gespritzt haben. Bis zu 30 Menschen sollen gestorben sein. Eine 15-köpfige Sonderkommission der Polizei arbeitet seit Monaten an der Aufklärung. Sie geht mehr als 200 Verdachtsfällen an allen früheren Arbeitsstätten des Pflegers an den Kliniken in Delmenhorst und Oldenburg und bei den Rettungssanitätern nach. Bis sie den umfangreichen Fall abgeschlossen haben, kann es noch einige Monate dauern.

Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2008
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.