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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Kritik an Diesel-Rettungswagen

19.07.2018

Langeoog /Wangerooge Alexander Heise kann auch ein paar Tage später nur den Kopf schütteln. Der Notfallsanitäter auf Langeoog und seine Kollegin Kerstin Preßler fanden am Donnerstag an ihrem Rettungswagen einen Zettel.

„Es war eine herausgerissene Seite aus einem Buch“, erinnert sich Heise. Auf dem Zettel der Hinweis: „Dieses ist eine auto-, benzin- und dieselfreie Insel! Es ist nicht Sache der Urlauber, wie Ihr Eure viel stehenden Fahrzeuge fit haltet.“

Die Einsatzkräfte interpretieren es so, dass der anonyme Schreiber nicht mit den Kranken- und Transportfahrten der Retter zufrieden ist. „Es ist nicht ganz logisch“, sagt Heise. „Wir müssen diese Fahrten machen.“ Dieselbetrieben seien die Wagen vor allem deshalb, weil die Autos immer einsatzbereit sein müssen. „Wir hatten im vergangenen Jahr zwei Tage keinen Strom. Was bringt mir dann ein E-Auto?“, fragt Heise.

Aber nicht nur dieser Zettel schlage den Einsatzkräften aufs Gemüt. Immer häufiger würden sie bei ihrer Arbeit behindert. „Erst gestern musste die Feuerwehr ein Absperrband spannen, damit wir in Ruhe arbeiten konnten“, erklärt Heise. Außerdem müsse man immer fürchten, am nächsten Tag in einem Videoclip im Internet aufzutauchen. „Die zücken ganz schnell ihre Handys“, sagt Heise. Es wären aber auch nicht alle so: „Uns wird auch viel Sympathie entgegengebracht“, sagt Heise.

Es sei nur ein kleiner Teil der Menschen, der so kopflos agiert, sagt auch Langeoogs Inselarzt Dr. Joachim Koller. Seit 16 Jahren arbeitet er auf der Insel. „Aber es ist mit den Jahren schlimmer geworden.“ Auch er sei im Einsatz bereits beschimpft und bedrängt worden. Hinterher ärgert er sich über diese Leute. „Aber währenddessen will man nur weiter“, sagt er. Schließlich warte ein Patient auf ihn.

Wegen ihrem motorisierten Einsatzwagen werden auch die Helfer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) auf Juist häufiger von Touristen blöd angemacht. „Beschwerden hören wir täglich“, sagt Rettungssanitäterin Kathrin Kühnel. „Wir haben aber keine andere Möglichkeit, als mit den dieselbetriebenen Wagen zu fahren“, sagt sie. Die Reaktionen frustrierten sie und ihre Kollegen schon.

Auf Spiekeroog seien die Urlauber entspannter. „Hier fragen sie nur manchmal, ob der Rettungswagen ein E-Auto ist. Wenn wir Zeit haben, erklären wir dann, warum er es nicht ist. Das verstehen die Leute dann“, sagt Heiko Hartmann vom DRK-Rettungsdienst Mittelhessen, der sowohl auf Langeoog als auch auf Spiekeroog den Rettungsdienst organisiert. Allerdings gebe es auf Spiekeroog auch weniger Einsätze der Rettungskräfte als zum Beispiel auf Langeoog.

Auch auf Wangerooge haben die Retter des Rettungsdienstes Friesland immer wieder mit Beschwerden zu tun: „Oft gibt es Klagen, wir würden zu schnell fahren“, berichtet Rettungsassistent Helmut Weber: „Sicherlich liegt das daran, dass den Urlaubern auf der ansonsten autofreien Insel 30 Km/h schnell vorkommen. Aber wir fahren sehr, sehr vorsichtig. Und das Martinshorn kommt nur zum Einsatz, wenn es wirklich notwendig ist, weil es um ein Menschenleben geht.“

Unter solchen Beschwerden leiden die Retter durchaus. Weber bittet deshalb um Rücksichtnahme und Verständnis: „Jeder könnte der nächste sein, für den wir ausrücken müssen.“

Melanie Hanz
Agentur Hanz
Redaktion Jever
Tel:
04461 965311

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