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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Leeraner Ex-Chefarzt im Prothesen-Skandal angeklagt

08.12.2017

Leer /Aurich Nach dem Skandal um Operationen mit defekten Bandscheibenprothesen am Klinikum Leer ist der ehemalige Chefarzt angeklagt worden. Ihm wurde vorgeworfen, Prothesen, die Teil einer Rückrufaktion waren, trotzdem bei Operationen verwendet zu haben. Nun seinen die Ermittlungen gegen den 53-Jährigen abgeschlossen. Gegen ihn bestehe der Verdacht der vorsätzlichen Körperverletzung in 53 Fällen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Aurich am Donnerstag mit.

Zwischen 2010 und 2014 soll der Arzt Patienten andere Prothesen eingesetzt haben, als vorher abgesprochen. Laut Anklage hätten sich die verwendeten Implantate hinsichtlich des Materials, der Konstruktion und der Funktionsweise erheblich von der angedachten Prothese unterschieden. Weil die Patienten zuvor nicht über die tatsächlich eingesetzten Prothesen informiert worden waren, sind nach Auffassung der Staatsanwaltschaft auch deren Einwilligungen in die Operation unwirksam.

Verdacht der Körperverletzung in 53 Fällen

Damit werde der Tatverdacht für eine Körperverletzung in den 53 Fällen begründet, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Dem ehemaligen Chefarzt droht deswegen eine lange Haftstrafe. Das Gesetz sehe für eine vorsätzliche Körperverletzung eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe vor.

Nach den Berichten über Operationen mit fehlerhaften Bandscheibenimplantaten hatte das Krankenhaus in Leer den Mediziner fristlos entlassen, weil er verdeckte Provisionen von Herstellern medizinischer Produkte und für die Betreuung von Hospitanten bekommen haben soll. Wegen dieser Vorwürfe hatte die Staatsanwalt Aurich bereits 2015 gegen den Arzt ermittelt. Der Chefarzt hatte gegen seine Entlassung geklagt und auch einen Teilerfolg vor Gericht erstritten.

Lesen Sie auch: Der Chefarzt und die defekten Prothesen, NWZ-Artikel vom 2. September 2016