• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Bestechung? – Razzia bei Krebsärzten

17.11.2017

Leer Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat vergangene Woche onkologische Praxen in Leer, Emden und Papenburg durchsuchen lassen. „Es besteht ein Anfangsverdacht wegen Bestechlichkeit“, erklärt Christian Bagung, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

In den drei Praxen, die in einem Verbund zusammenarbeiten, wurden zahlreiche Akten und Patientenunterlagen beschlagnahmt. „Das verlief alles sehr friedlich. Die Ärzte und Mitarbeiter waren sehr kooperativ“, sagt Bagung. Die Razzia erfolgte auch in den privaten Räumlichkeiten der Onkologen.

In den Praxen sollen den Krebspatienten gehäuft Rezepte ausgestellt worden sein, mit denen jeweils Wirkstoffe von bestimmten Pharma-Unternehmen verschrieben wurden. Dazu wurde ein Kreuz in das „Aut idem“- Feld auf dem Rezept gemacht. „Aut idem“ ist lateinisch und bedeutet so viel wie „und oder das Gleiche“. Mithilfe des Kreuzes können Ärzte verhindern, dass das verordnete Arzneimittel gegen ein billigeres ausgetauscht wird.

„Wenn man ,Aut idem‘ ankreuzt, muss das medizinisch notwendig sein“, betont Staatsanwalt Bagung. Das könnten Fälle sein, in denen beispielsweise eine allergische Reaktion gegen das Mittel von einem anderen Hersteller besteht.

„Bei den Onkologen besteht der Verdacht, dass das ,Aut-idem‘-Kreuz nicht in allen Fällen medizinisch notwendig war.“ Werde das Kästchen angekreuzt, habe der Apotheker keine Möglichkeit, einen anderen gleichwertigen Wirkstoff zu nehmen – er könne aber auch nicht prüfen, ob diese Vorgabe medizinisch wirklich notwendig sei, erklärt Bagung.

Gegen die Onkologen in den Praxen in Leer, Emden und Papenburg bestehe nun der Anfangsverdacht, dass sie von bestimmten Pharma-Firmen Zuwendungen erhalten haben könnten, um nur deren Wirkstoffe zu verschreiben. „Wir stehen ganz am Anfang der Ermittlungen“, betont der Sprecher. „Es ist noch völlig offen, ob sich der Verdacht bestätigt.“

Die Onkologen können in ihren Praxen weiterhin praktizieren.