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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Experten suchen Brandursache – Initiativen fordern Schließung

08.12.2018

Lingen Nach dem Ausbruch eines Feuers in der Brennelementefabrik der Advanced Nuclear Fuels GmbH (ANF) in Lingen am Donnerstagabend hat die Suche nach der Brandursache begonnen. „Die Ermittlungen der Kollegen vor Ort laufen“, sagte ein Polizeisprecher am Freitag. Das Werk im Emsland, das in unmittelbarer Nähe zum Kernkraftwerk Emsland liegt, liefert Brennelemente mit Uran unter anderem an Reaktoren in belgischen Atomkraftwerken.

Am Freitag reiste auch ein Mitarbeiter des niedersächsischen Umweltministeriums nach Lingen, um den Sachverhalt aufzuklären, sagte eine Ministeriumssprecherin. Das Ministerium sei am Abend über den Brand informiert worden. „Sobald wir nähere gesicherte Informationen haben, werden wir damit auch an die Öffentlichkeit gehen“, sagte sie. Es sei keine erhöhte Radioaktivität gemessen worden, für die Bevölkerung habe keine Gefahr bestanden. „Auch die Kernfernüberwachungsdaten weisen keine Auffälligkeiten auf“, betonte die Sprecherin. Durch die Feuerwehr und die Technische Umweltgruppe der Polizei wurden während der Brandbekämpfung fortlaufend Schadstoffmessungen durchgeführt. Das französische Unternehmen kündigte unterdessen an, man wolle die Behörden dabei unterstützen, die genaue Brandursache zu ermitteln.

Laborgerät brannte

Nach Angaben von Lingens Stadtbrandmeister Ralf Berndzen war der Brand verhältnismäßig kleinflächig. Das Feuer war demnach auf einer Fläche von 40 mal 40 Zentimetern in einem an eine Fertigungshalle angegliederten Laborbereich ausgebrochen – ein Verdampfer mit uranhaltiger Flüssigkeit war in Brand geraten, wie die NOZ (Neue Osnabrücker Zeitung) am Freitagabend berichtete. „Wir konnten die Situation mit CO2-Löschern schnell unter Kontrolle bringen“, berichtete Ralf Berndzen.

Lingens Oberbürgermeister Dieter Krone gab sich derweil erleichtert, dass bei dem Brand niemand verletzt wurde. Nun gelte es, die genauen Ursachen des Brandes zu ermitteln, um derartige Vorfälle zukünftig ausschließen zu können. „Bei Unternehmen wie ANF müssen höchste Sicherheitsstandards zum Schutz der Bevölkerung gelten“, sagte Krone.

Aufregung in sozialen Netzen

Bei dem Einsatz habe die Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und ANF nach Angaben von Ralf Berndzen „sehr gut“ funktioniert. „Wir hatten jederzeit Ansprechpartner und die vorgehenden Trupps der Feuerwehr waren so besetzt, dass ein ortskundiger Mitarbeiter des Unternehmens die Einsatzkräfte begleitete – so, wie es auch einmal jährlich geübt wird“, erklärte der Stadtbrandmeister. Insgesamt seien rund 150 Helfer vor Ort gewesen. Diese wurden um 19.43 Uhr alarmiert, um 21.12 Uhr erfolgte dann von der Feuerwehr die Entwarnung, der Brand sei gelöscht. Offiziell wurde dies allerdings erst auf einer Pressekonferenz um kurz vor 22 Uhr bekanntgegeben.

Zu diesem Zeitpunkt herrschte in den sozialen Netzwerken bereits Unruhe: Viele Nutzer, zum Beispiel bei Twitter, fühlten sich offenkundig nicht ausreichend informiert. Die Stadt Lingen begann gegen 21.30 Uhr mit mehren Tweets, die Öffentlichkeit zu informieren. Viele niederländische User verstanden offenbar, dass das Kernkraftwerk selbst brennen würde.

Die Aufklärung: Da der Einsatz im Kontrollbereich einer nuklearen Anlage stattfand, habe die Feuerwehr zunächst Vorkehrungen treffen müssen, erklärte Stadtbrandmeister Ralf Berndzen die längere Anlaufzeit. So wurde zunächst ein Dekontaminationsplatz eingerichtet, „in dem dann die Kräfte, die wieder aus dem Gebäude kamen, auf Strahlung untersucht wurden“. Deshalb habe es ungefähr eine Stunde gedauert, bis der erste Trupp in das Gebäude konnte. Da die Situation zunächst unklar war, wurde zeitweise ein Teil des Parkplatzes geräumt worden.

Initiativen fordern Konsequenzen

Weil es bereits in der Vergangenheit innerhalb weniger Wochen zwei meldepflichtige Ereignisse gab, fordern Bürgerinitiativen weiter die Stilllegung des Betriebs. Unter anderem erneuerte der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) am Freitag seine Forderung nach einer sofortigen Stilllegung der Anlage. Die Landesregierung in Hannover dürfe nicht wieder mit Beschwichtigungen reagieren, erklärte BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz nun in Bonn. „Der Schutz der Bevölkerung muss oberste Priorität haben.“

Der Verband erklärte, die Landesregierung habe in der Vergangenheit nicht angemessen gehandelt, obwohl es immer wieder zu Pannen und Störanfällen gekommen sei. Der Betrieb der Anlage sei nicht mehr hinnehmbar, kritisierten die Umweltschützer.

Der BBU bezieht sich mit seiner Forderung auf zwei Ereignisse, die das niedersächsische Umweltministerium als zuständige Aufsichtsbehörde Anfang November und an diesem Dienstag mitgeteilt hatte. Beide Ereignisse hatten demnach „keine oder eine sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung“.

Zunächst hatte sich in der Trockenkonversionsanlage, einem Teil der Fertigungsstraße in der Brennelementefabrik, Feuchtigkeit angesammelt. Nach Angaben des Betreibers war die Feuchtigkeit durch eine Fehlfunktion in der Wasserdampfversorgung verursacht worden. Die fehlerhaften Komponenten seien nach einer umfänglichen Kontrolle der Wasserdampfversorgung ausgetauscht worden, hieß es in der Mitteilung.

Bei dem zweiten Ereignis geht es um Risse an einem Reaktionsbehälter in der Trockenkonversionsanlage. Diese seien bei einer Routinekontrolle mit Hilfe von Ultraschall festgestellt worden, teilte das Ministerium mit. Mit bloßem Auge seien die beiden Risse in einer Ummantelung innerhalb der Fertigungsanlage nicht erkennbar, erklärte eine Ministeriumssprecherin. Der betroffene Anlagenteil werde repariert und sei so lange außer Betrieb, sagte die Sprecherin.

Sondersitzung gefordert

Die Landtagsfraktion der Grünen beantragte unterdessen eine Sondersitzung des Umweltausschusses zu den Ursachen des Brandes. „Ein Störfall folgt dem nächsten. Was muss eigentlich noch passieren, bis Land und Bund auf die Risiken des Atombetriebs reagieren?“, so die Landtagsabgeordnete Miriam Staudte, die auch atompolitische Sprecherin der Grünen ist. Der Atomausstieg müsse endlich auch auf die Brennelementefabrik Lingen und die Urananreicherung in Gronau ausgeweitet werden, so die Politikern.

Weiter heißt es: „Wenn die Ursachen für den Brand nicht restlos geklärt sind, darf die Brennelementefabrik keinesfalls wieder in Betrieb gehen. Bundes- und Landesregierung müssen alle bestehenden rechtlichen Mittel nutzen, um die Atom-Anlage Lingen endgültig stillzulegen. Solche Einsätze sind der Bevölkerung und den ehrenamtlichen Feuerwehrleuten und den weiteren Einsatzkräften nicht mehr zuzumuten.“

Christian Ahlers
Redakteur
Online-Redaktion
Tel:
0441 9988 2159

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