Horumersiel - Schon beim Festumzug durchs Dorf ernteten Horumersiels ehrenamtliche Seenotretter viel Applaus. So nannte Wangerlands Bürgermeister es dann auch „atemberaubend“, wie viele Menschen mit der DGzRS, der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, sympathisieren.
Mit einem Hafenfest haben die Horumersieler Retter am Wochenende 150-jähriges Bestehen ihrer Station gefeiert: Die Station, die 1866, nur ein Jahr nach Gründung der DGzRS, in Betrieb genommen wurde, ist eine der ältesten Deutschlands. Bestens dokumentiert wird die Stationsgeschichte durch den Verein historische Seenotrettung, der im Hafen Wangersiel den Rettungsschuppen mit alten Ausstellungsstücken betreut.
Das Projekt „Hoher Stuhl“ der historischen Seenotrettung – der Wiederaufbau des einstigen Ausgucks der Seenotretter – stehe kurz vor der Umsetzung, berichtete Mühlena: „Der Standort wird nahe dem ursprünglichen Standort sein. Es kann losgehen“, sagte er.
Wie der Bürgermeister gratulierte auch Gerhard Hader, Vorsitzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger mit Sitz in Bremen den Horumersieler Rettern: „Einmal Seenotretter, immer Seenotretter – diese Treue wird besonders in Horumersiel deutlich“, sagte er mit Blick darauf, dass es in der 150-jährigen Geschichte der DGzRS Horumersiel bisher nur sechs Vormänner gegeben hat. „Doch allein können Sie nichts ausrichten“, sagte er Richtung Vormann Günter Ihnken: „Das geht nur mit der Mannschaft zusammen.“
Hader zitierte die Hymne der Seenotretter, die Ballade „Nis Randers“ (1901) von Otto Ernst: „Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs: Hohes, hartes Friesengewächs; Schon sausen die Ruder.“ „Können Sie sich vorstellen, was da geleistet wurde? Das ist unglaublich und wunderbar“, betonte er. Die „August Grassow“, das Ruderrettungsboot des Vereins historische Seenotrettung, lasse genau diese Zeiten lebendig werden. „Heute ist der Einsatz nicht weniger ungefährlich – trotz der besseren Ausstattung der Seenotretter“, sagte Harder.
35 Millionen Euro hat die DGzRS pro Jahr zur Verfügung, um ihre 54 Stationen an Nord- und Ostsee zu unterhalten: „Vom ersten Tag an finanziert rein durch freiwillige Zuwendungen“, so Harder. Er dankte allen Förderern und Spendern, die mithelfen, dass die DGzRS ihre Rettungsleute stets mit dem besten Equipment ausstatten könne.
Spenden flossen beim Hafenfest reichlich, denn überall standen die Spendenschiffchen, die Rudi Jürgens betreut. Die Festbesucher hatten Gelegenheit, mit den Seenotrettungsbooten „Baltrum“ (Horumersiel) und „Hermann Onken“ (Fedderwardersiel) in See zu stechen. Und Wangerooges „Wilma Sikorski“ lud ebenfalls zur Besichtigung ein. Nachmittags bei Hochwasser schaute auch der Hooksieler Seenotrettungskreuzer „Vormann Steffens“ vorbei.
„Eines hatten wir bei der Organisation vergessen: Wasser zu bestellen“, hatte Vormann Günter Ihnken bei der Eröffnung gescherzt. „Aber wir haben es nachgeordert – es kommt gegen 16 Uhr.“
Unterstützt wurden die Seenotretter bei ihrem Fest vom Shantychor „Likedeeler“ und der Musikgemeinschaft Horumersiel, von „Watt’n Spaß“, von den Feuerwehren Wiarden und Minsen, vom HSV Fanclub „1887° Nord“, vom Schiffsmodellbauclub Wilhelmshaven, von DLRG, Rotem Kreuz und ADAC, Marinekameradschaft und zahlreichen Ehrenamtlichen der DGzRS.
