• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Mit dem Urteil beginnt die Opfersuche

26.02.2015

Oldenburg /Delmenhorst Ganz Deutschland blickt an diesem Donnerstag nach Oldenburg. Das Landgericht will am Nachmittag das Urteil im Mordprozess gegen den Ex-Krankenpfleger Niels Högel verkünden. Der 38-Jährige ist wegen dreifachen Mordes und zweifachen Mordversuchs angeklagt.

Doch es geht um viel mehr. Normalerweise ist ein Urteil das Ende einer umfassenden Aufklärung. Bei Niels Högel ist es erst der Anfang. Der gebürtige Wilhelmshavener ist womöglich der schlimmste Serienmörder in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Högel hat vor Gericht die versuchte Tötung von 90 Patienten im Klinikum Delmenhorst gestanden. Er soll ihnen eine Überdosis des Herzmedikaments Gilurytmal gespritzt haben. Aus Rettungswahn, aus Langeweile. Etwa 30 Patienten sollen das nicht überlebt haben. Alleine diese unvorstellbaren Zahlen würden, wenn sie stimmen, alle bisherigen Mordserien in Kliniken weit übertreffen.

Experten bezweifeln, dass das alles ist. Högel hat ausgesagt, dass es auch mehr Tötungen gewesen sein können. Die Polizei untersucht rund 200 Verdachtsfälle an den Arbeitsstätten des Ex-Pflegers. In Delmenhorst waren es 174 Verdachtsfälle. Zu 23 dieser Patienten liegen jetzt Gutachten vor – und die Staatsanwaltschaft lässt zwölf davon exhumieren, weil sich der Mordverdacht erhärtet hat.

Als Högel von Anfang 2003 bis Mitte 2005 Pfleger auf der Intensivstation in Delmenhorst war, starben dort 443 Patienten – mehr als doppelt so viele wie in einem vergleichbaren Zeitraum davor oder danach. Allein im ersten Halbjahr 2005 hatte Högel bei 62 Prozent der Todesfälle Dienst.

Der Ex-Pfleger bestreitet Taten an anderen Arbeitsstätten. Doch das wird von Prozessbeobachtern als Taktik gewertet. Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass er für Morde mit Kalium im Klinikum Oldenburg verantwortlich sein könnte. Die Staatsanwaltschaft hat mehr als 20 Ermittlungsverfahren eingeleitet. Dazu kommen acht Verdachtsfälle aus Högels Zeit als Rettungssanitäter im Landkreis Oldenburg. Auch in Wilhelmshaven laufen die Untersuchungen noch.

Wenn das Urteil gegen Högel gesprochen ist, das vermutlich lebenslänglich lautet, wenn die zahlreichen Kamerateams und Fotografen wieder abgezogen sind, wird das nächste Kapitel dieser möglicheweise einzigartigen Verbrechensserie aufgeschlagen. Ab März sollen Dutzende Leichen auf etwa 50 Friedhöfen im Nordwesten exhumiert werden, um sie auf Ajmalin, den Wirkstoff von Gilurytmal, zu untersuchen. Vielleicht am Ende sogar über 100 Leichen.

Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2008
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.