Ganderkesee/Heide/Stenum - Annika Wardenburg zieht ihren rosafarbenen Führerschein aus ihrer Handtasche, faltet das Dokument auseinander. „Jetzt weiß ich auch, warum es Lappen heißt. Genauso fühlt er sich an“, sagt die gebürtige Ganderkeseerin. „Für mich bedeutet mein alter rosa Lappen Nostalgie. Da hängt schon mein Herz dran“, erklärt Annika Wardenburg von der Jeans-Scheune in Ganderkesee.
Gleich am 18. Geburtstag ging es zur Ausgabestelle. „Die Rückfahrt war für meine Mutter und mich ganz schön schweißtreibend“, sagt die 36-Jährige und lacht. Dem stimmt ihre Mutter Renate Drieling zu: „Da waren wir beide ganz schön aufgeregt und froh, als wir heile zu Hause angekommen sind“, berichtet sie.
Erste Fahrt aufregend
Eine recht unaufgeregte Fahrschulzeit hatte Timo Vetter. Das bedeutete für ihn ein kleines Stück Freiheit. Im Jahr 1995 nahm er seine Fahrerlaubnis entgegen. Noch heute zeugt sein Ausweis von diesem Tag. Der Prüfer hat das falsche Datum eingetragen, so dass er schon vor seinem 18. Geburtstag hätte fahren dürfen. Das hätte später Probleme geben können. Der Fehler wurde korrigiert: Kurzerhand griff der Aussteller zum Stift und änderte das Datum händisch. Häufig fahren konnte der 38-Jährige damals aber nicht. „Ein Auto hat mir wirklich gefehlt. Das hätte ich am Anfang schon gern gehabt“, erklärt der Gantermarkt-Vorsitzende.
Mit ihrem Auto stand Anni Schlüter am Anfang ein wenig auf Kriegsfuß. „Einparken war noch nie so meins“, sagt die Gästeführerin. Auch wenn dies nicht zu ihren Stärken gehörte, hat sie auch diese Aufgabe gemeistert und 1969 dann stolz ihren grauen Lappen entgegen genommen. Warum sie diesen damals gegen einen rosa-farbenen eingetauscht hat, weiß Gästeführerin Anni Schlüter nicht mehr. Dafür erinnert sie sich umso genauer an ihre Einstellung zum Fahrunterricht: „Die Theorie war das Schrecklichste. Wir mussten so viele Fragebögen ausfüllen!“, so die 65-Jährige. Ihre Prüfung hat die Heiderin in Delmenhorst abgelegt. „Während der Fahrt ist vor mir an der Ampel eine Frau vom Rad gestürzt“, so Schlüter. „Ich habe sofort gebremst und ein Lob vom Fahrlehrer dafür bekommen“, erinnert sie sich. Fahrlehrer und Prüfer hätten dann der Frau aufgeholfen und die Fahrt konnte fortgesetzt werden.
„Früher war das mit dem Führerschein ja alles ganz anders“, sagt Hans Knese, Ehrenvorsitzender des VfL Stenum. Damals habe es nicht so ausgedehnten Fahrunterricht gegeben wie heute, so Knese. Es gab weniger Verkehr, und einige seien auch bereits vorher heimlich gefahren, weiß der 77-Jährige. Der Stenumer hat die Führerscheinprüfung im Jahr 1956 abgelegt.
„Zuerst habe ich einen Motorrad-Führerschein gemacht“, sagt er. Er erinnert sich noch genau daran, wie er mit 18 in Düsseldorf in einem Geschäft stand und eine „schöne Maschine“ sah – und erwarb: eine gebrauchte Horex. Darauf war Knese ganz schön stolz. Ein Auto war damals viel zu teuer. Drei Jahre später erhielt er die Fahrerlaubnis für Autos.
Früher weniger Verkehr
Den grauen Lappen hat er 2001 gegen einen internationalen Führerschein eingetauscht. „In dem Jahr waren wir in Südafrika. Da hieß es vorher, dass wir mit der Fahrerlaubnis möglicherweise Probleme bekommen könnten“, berichtet seine Ehefrau Margarete Knese. Als der internationale Ausweis seine Gültigkeit verlor, stiegen die beiden auf die Karten um. Die sind für das Portemonnaie besser geeignet, stellt Ehefrau Margarete Knese fest. Ihre frühere Fahrerlaubnis hatte sie zweimal auf ein kleineres Format geknickt. „Wenn wir mal nicht mehr sind, werfen unsere Enkelkinder sie bestimmt weg. Sie können dann auch gar nichts mehr damit anfangen“, glaubt Margarete Knese.
