„Es sollte wieder mehr gemobbt werden“ steht unter einem Instagram-Beitrag von Sebastian Borde. Außerdem schreiben Nutzer vom „Wandertag des Irrenhauses“ und behaupten: „Mobbing ist ein Teil der Gesellschaft und muss akzeptiert werden.“ Borde will genau das aber nicht: Mobbing akzeptieren. Der 31-Jährige aus Großenkneten setzt sich deshalb vor allem in den sozialen Medien gegen die Schikane ein und hat sich dort als „Swingdingeling“ schon einen Namen gemacht.
Herr Borde oder Swingdingeling – wer sind Sie denn nun wirklich?
Sebastian BordeSowohl als auch. „Swing“ ist mein Künstlername und dann habe ich spontan den Rest drangehängt, weil es Schwung und Humor hat. Der Name bleibt im Kopf. Aber ich verstelle mich auf meinen Profilen natürlich nicht und bleibe die Person, die ich auch offline bin. Sinn der Sache ist ja nicht, dass ich vor der Kamera lache – und depressiv bin, wenn sie wieder ausgeschaltet ist.
Sie sprechen von Profilen.
BordeIch setze mich auf Facebook, YouTube, Instagram und TikTok gegen Mobbing ein. Die für mich beste Plattform ist aber TikTok, da man dort mit bestimmten Themen die größte Reichweite erreichen kann, wenn man sich reinkniet.
Warum investieren Sie in ein Thema so viel Energie, das vermutlich niemals verschwinden wird?
BordeDer Hauptgrund ist, dass ich mein eigenes Päckchen zu tragen habe beziehungsweise hatte. Weil ich keine Markenkleidung oder Pokémon-Karten besaß, wurde ich schon in der Grundschule schikaniert. Mit acht Jahren musste ich in eine kinderpsychiatrische Einrichtung, um professionelle Hilfe zu erhalten. Ich war zu diesem Zeitpunkt quasi leblos, starrte mit leerem Blick auf den Boden. Gewisse Narben sind zwar vorhanden, ich habe mir mittlerweile aber ein Selbstbewusstsein aufgebaut.
Sebastian Borde investiert viel Kraft in den Kampf gegen Mobbing.
Und nun folgen und verbinden sich Hunderttausende Menschen mit Swingdingeling.
BordeIch denke deshalb nicht, dass ich etwas Besseres bin, aber es ist ein extrem gutes Gefühl, so vielen Menschen eine Atmosphäre zu geben, in der sie sich für den Moment besser fühlen. Wir reden gemeinsam über das Thema Mobbing, machen Musik und haben einfach eine schöne Zeit.
Swingdingeling heißt eigentlich Sebastian Borde und ist 31 Jahre alt. Er wohnt in Großenkneten und wurde eigenen Angaben zufolge selbst in frühen Jahren Opfer von Mobbing-Attacken.
Sein Projekt, in den sozialen Medien betroffenen Menschen zu helfen, läuft seit rund zweieinhalb Jahren. Swingdingeling gibt es auf Facebook, Instagram, YouTube und TikTok. Insgesamt, so sagt Borde, hätten sich bereits Millionen von Menschen mit ihm über den Hashtag Swingdingeling verbunden.
Das scheint nicht allen Menschen zu gefallen. Wie reagieren Sie auf die Hass-Kommentare unter Ihren Posts?
BordeIch finde das erschütternd, teilweise schreiben auch Familienväter unschöne Dinge. Mobbing ist aber leider ein Teil der Gesellschaft und diese Kommentare bestärken mich in meinem Handeln. Solche „Internet-Rambos“ fühlen sich hinter ihren Smartphones eben sicher. Ich glaube aber, dass sie mir das persönlich ins Gesicht nicht sagen würden.
Sind die sozialen Medien dann der richtige Ort für Ihren Anti-Mobbing-Kampf?
BordeCyber-Mobbing ist das größte Problem, deshalb meine ich, dass die sozialen Medien viel stärker genutzt werden sollten, um etwas Gutes zu tun. Wenn man in der Bahn sitzt oder in der Stadt unterwegs ist, schauen doch alle Menschen auf ihr Handy. Die sozialen Medien sind der Ort, an denen wir die meisten Personen erreichen können.
Welche Rolle spielt die Sensibilisierung in der Schule?
BordeMan sollte das Thema dort früh ansprechen, damit es präsent wird und bleibt. Natürlich kann das Thema Mobbing kein Unterrichtsfach werden, aber regelmäßige Prävention und die Konfrontation mit extremen Beispielen sind wichtig. Dadurch können wir den Kindern schon früh Werkzeuge an die Hand geben, um einerseits Toleranz und Respekt zu leben und andererseits den Betroffenen beizubringen, wie sie mit der Schikane umgehen können.
Stehen Sie diesbezüglich schon mit Schulen in Kontakt?
BordeEinige Schulen haben den Vorschlag abgelehnt und behauptet, Mobbing gebe es bei ihnen nicht. Das ist schade, denn Schüler haben mir ja geschrieben und von Vorfällen erzählt.
