Hohenböken - Nicht jeden Tag kracht es auf der Huder Straße in Hohenböken – so wie Mittwochmorgen. Aber jeden Tag bewegen sich Anlieger mit einem mulmigen Gefühl auf dem Fuß- und Radweg entlang der vielbefahrenen Landestraße: „Ich bin immer auf der Hut, wenn ich mit dem Hund gehe“, sagt Uschi Mitschker.
Schon zu oft haben sie und ihre Nachbarn es erlebt, dass Autos und vor allem Motorräder die langgezogene Kurve zwischen Hude und Bookholzberg schneller nehmen als mit den erlaubten 70 km/h – auch mal viel zu schnell, so dass sie von der Straße schleudern, über den Fuß- und Radweg hinweg. Vier Unfälle habe es schon gegeben, seit sie vor einem halben Jahr zugezogen ist, berichtet Mitschkers neue Nachbarin Sabine Pylypiak. Auch wenn unklar ist, ob der Unfall vom Mittwoch durch überhöhte Geschwindigkeit entstand – für die Anlieger der Huder Straße ist er ein Anlass, um zu sagen: Uns reicht’s!
Die Behörden bewerten den Bereich nicht als Unfallschwerpunkt. Dabei hat es laut Polizei-Statistik 2012 immerhin sechsmal auf der Huder Straße zwischen Ammerweg und Müllerweg gekracht, schon drei Unfälle gab es dort im ersten Quartal 2013. Ein Radfahrer sei vergangenes Jahr schwer verletzt worden, weiß Bernhard Stegemann, Sachgebietsleiter Verkehr bei der Polizei Delmenhorst – der Unfall habe sich beim Abbiegen ereignet, nicht wegen überhöhter Geschwindigkeit. Das Tempo sei bei den jüngsten Unfällen selten die Ursache gewesen, so Stegemann.
Uschi Mitschker, Sabine Pylypiak und die gegenüber wohnende Martina Steinmann haben einen anderen Eindruck. Seit die Straße vor fast 40 Jahren ausgebaut wurde, so Mitschker, hätten die Anlieger um Geschwindigkeitsbeschränkungen gekämpft. Schrittweise sei dann in Richtung Bookholzberg Tempo 70 eingeführt worden.
Unverständlich ist den Bewohnern aber, warum am Ortsausgang von Hude die Tempo-70-Zone zunächst endet. „Da drücken die Leute aufs Gaspedal“, meint Mitschker. Nach wenigen hundert Meter kommt dann die Kurve, in der wieder Tempo 70 vorgeschrieben ist. Die Anlieger fordern deshalb den „Lückenschluss“, außerdem wünschen sie sich Leitplanken zwischen der Straße und dem stark genutzten Radweg.
Verständnis für die Sichtweise der drei Frauen äußert Michael Kleinert vom Fachdienst Verkehr im Rathaus. Bisher hätten die Verkehrssicherheits- und die Unfallkommission in dem Bereich indes keinen Handlungsbedarf gesehen. Als Maßstab gelte auch nicht nur die Anzahl der Unfälle, sondern ebenso deren Gründe und Auswirkungen. Beide Gremien tagen aber in Kürze, und Kleinert kündigte an, die Huder Straße dann auf die Tagesordnung zu bringen.
