NEUENKRUGE/BORBECK - Im Mai soll sie anlässlich des 75-jährigen Bestehens kostenlos verteilt werden. Der Ortsbrandmeister stellt sie zurzeit zusammen.

Von Claus Stölting

NEUENKRUGE/BORBECK - Als am 29. Januar 1974 um 3.45 Uhr für die Freiwillige Feuerwehr Neuenkruge die Sirene ertönte, da boxte gerade Joe Frazier gegen Muhammad Ali in der sechsten Runde. In Borbeck stand eine 70 mal 30 Meter große, fensterlose Lagerhalle der Firma „Sügro-Vertrieb Nord-West OHG“ in Flammen. Sie wurde durch den Brand vollkommen vernichtet – sicherlich der größte Einsatz mit einem Schaden von damals 2,7 Millionen DM, den die Wehr in ihrer 75-jährigen Geschichte zumindest in Friedenszeiten gehabt haben dürfte. Dieser und andere Einsätze sind nachzulesen in der Chronik der Wehr, die im Vorfeld der Feierlichkeiten vom 8. bis 10. Juni im Mai kostenlos verteilt werden soll.

Gerriet Meyer stellt sie zurzeit zusammen und vergisst auch nicht die Geschichte der Jugendfeuerwehr Neuenkruge-Borbeck, die 1973 gegründet wurde und sich 1988 mangels Interesse wieder auflöste. Die Chronik fußt, so der Ortsbrandmeister, auf jener Chronik, die zum 50-jährigen Bestehen erstellt worden war. Und da ist einiges auch über die Arbeitsbedingungen der Feuerwehrleute nachzulesen, das heute beinahe kurios klingt. Die heutige Wehr basiert auf einer Pflichtfeuerwehr, die im Jahr 1920 auf Anordnung der Gemeindeverwaltung Wiefelstede aufgestellt worden war. Den Wehrmännern fehlte anfangs jegliche Schutzkleidung und auch Uniformen gab es noch nicht. Alarmiert wurde durch „Brandhörner“, was offensichtlich besonders zur Nachtzeit oder bei starkem Wind problematisch war. In der Regel standen bei der Brandbekämpfung nur die bei jedem Haus befindlichen Brunnen als Wasserstellen für die Handdruckspritze zur Verfügung.

Am 5. Dezember 1932 wurde die Freiwillige Feuerwehr Neuenkruge-Borbeck in der Gastwirtschaft Zur Mühle gegründet. Und die Chronik zeichnet den Werdegang der Wehr bis heute auf. So auch Dinge aus den Kriegstagen, in denen gleich zu Anfang die Feuerwehren der Polizei und dem Luftschutz unterstellt wurden. Da viele Wehrmänner zur Wehrmacht eingezogen wurden, wurde sogar eine weibliche Feuerwehr aufgestellt, die – so verrät die Chronik – jedoch nie zum Einsatz kam. 1943 erhielt die Wehr ein neues Löschfahrzeug, das 1974 ausgemustert und der ersten Staffel des leichten Kampfgeschwaders 43 in Oldenburg übergeben wurde. Es diente dort der Traiditonspflege. Als das Geschwader 1992 aufgelöst wurde, kam das Löschfahrzeug zur Wehr zurück, wurde liebevoll restauriert und soll beispielsweise am kommenden Sonntag beim Wiefelsteder Karnevalsumzug mitfahren.

Im übrigen wird auch die Entwicklung des Shantychores Neuenkruge-Borbeck in der Chronik nicht vergessen, der – ziemlich einmalig – eine Unterabteilung der Feuerwehr ist und im Jahr 1975 recht abenteuerlich entstand.