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Oldenburgerin übernimmt Fraktionsvorsitz der Linken
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Aktualisiert vor 21 Minuten.

Amira Mohamed Ali
Oldenburgerin übernimmt Fraktionsvorsitz der Linken

NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Niels H. gesteht 30 weitere Morde – doch war das alles?

09.01.2015

Oldenburg Der in Oldenburg angeklagte Ex-Krankenpfleger Niels H. hat zum ersten Mal die ihm zu Last gelegten Taten gegenüber einem Psychiater vollumfänglich zugegeben. Dieser verlas am Donnerstag eine entsprechende Stellungnahme im Prozess.

Dabei gab Niels H. nicht nur die im aktuellen Verfahren angeklagten drei Morde und zwei Mordversuche zu, sondern gestand auch, 90 weiteren Patienten des Klinikums Delmenhorst das Medikament Gilurytmal gespritzt zu haben. 30 starben nach der Überdosierung des Arzneimittels – 60 Patienten kamen mit dem Leben davon.

Gerichtssprecher Michael Herrmann betonte, dass es sich bei den Einlassungen von Niels H. noch nicht um ein Geständnis im juristischen Sinne handele. Dazu müsse er sich noch entsprechend gegenüber der Kammer äußern. „Ein Geständnis würde zur Verfahrensverkürzung führen“, sagte Herrmann.

Zu den Motiven äußerte sich Niels H. nicht. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft löste er die tödlichen Notfälle aus, um zu beweisen, wie gut er Patienten wiederbeleben kann. Später habe er aus Langeweile mit dem Leben der Kranken gespielt. Dem Psychiater sagte der Angeklagte, sein Handeln sei nicht entschuldbar. Er sei sich bewusst, dass er den Angehörigen großes Leid zugefügt habe. An die meisten Namen der betroffenen Patienten könne er sich zu seinem Bedauern allerdings nicht erinnern

Niels H. bestritt jedoch, für Todesfälle im Klinikum Oldenburg verantwortlich zu sein. Auch während seiner Zeit in einer Klinik und in einem Altenheim in Wilhelmshaven sowie im Rettungsdienst habe er nichts getan.

NWZonline-SPEZIAL: Warum stoppte niemand Niels H.?

Gaby Lübben (Delmenhorst), Anwältin der Nebenkläger, sagte der NWZ, sie gehe nicht davon aus, dass die von Niels H. genannten Patientenzahlen die Obergrenze seien. „Wir gehen von einem größerem Umfang aus.“ Lübben forderte die Staatsanwaltschaft auf, an der geplanten Exhumierung und Obduktion von Leichen festzuhalten. „Die Staatsanwaltschaft hat einen großen Fehler gemacht, nicht schon 2005 zu exhumieren.“ Lübben kritisierte, dass das Klinikum Delmenhorst keinerlei Mitverantwortung für die Todesfälle übernehmen wolle. Das Klinikum müssen den Angehörigen der Opfer Entschädigungen zahlen.

„Es ist eine Bestätigung, dass sich mein Kampf gelohnt hat“, sagte Nebenklägerin Kathrin Lohmann (Elsfleth), deren Mutter mutmaßlich von Niels H. im Klinikum Delmenhorst getötet wurde. Mit den Angaben bewahrheite sich das, was sie seit Jahren geglaubt habe. Lohmann fordert Schadenersatz vom Klinikum Delmenhorst.

Der Vertreter der Nebenklage, Christian Marbach (Ganderkesee), zeigte sich nicht überrascht von den Angaben des Ex-Pflegers. „Wir sind von vielen Toten ausgegangen“, erklärte Marbach. „Es nimmt sehr viel Last von uns, dass der Täter das zugibt.“ Marbach kritisierte, dass offenbar weder das Klinikum Delmenhorst noch der Delmenhorster Oberbürgermeister Axel Jahnz zu Gesprächen mit den Nebenklägern bereit seien.

Als einziger Zeuge am Donnerstag musste der ehemalige Chefarzt der Herzchirurgie des Klinikums Oldenburg, Otto Dapunt, aussagen. Dapunt bezweifelt, dass im Klinikum Oldenburg in den Jahren 2000 bis 2002 Patienten der Intensivstation mit Kalium getötet wurden. Zu dieser Zeit war Niels H. Krankenpfleger in Oldenburg. Dapunt kritisierte die Aussagen des Klinikums über bis zu zwölf Todesfälle durch Kalium und ein entsprechendes Gutachten scharf. Er halte den Schluss von Geschäftsführer Dirk Tenzer aus dem Gutachten für „absolut nicht gerechtfertigt“, sagte Dapunt. Erhöhte Kaliumwerte könnten auch natürliche Ursachen haben. „Im Moment ist die Aussage, im Klinikum Oldenburg hätte es diese Morde gegeben, nicht statthaft.“

Dapunt betonte zudem, dass er bereits im Jahr 2000 die Pflegedienstleitung und die Geschäftsführung des Klinikums auf das auffällige Verhalten von Niels H. vor allem bei Reanimationen hingewiesen habe. „Ich hätte mir gewünscht, dass man früher reagiert hätte.“ Dapunt betonte allerdings, dass es damals keinen Mordverdacht gegen Niels H. gegeben habe.

Der Gerichtspsychiater will sein vollständiges Gutachten über Niels H. in vier Wochen vorlegen. Mit einem Urteil wird für Februar gerechnet. Niels H. droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

„Das Geständnis des Angeklagten ist ein Puzzleteil in den intensiven Ermittlungen. Wir beschränken uns aber nicht hierauf, sondern werden umfassend alle Sterbefälle aufklären, die im Zusammenhang mit dem ehemaligen Krankenpfleger stehen könnten“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Roland Herrmann.

Der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Johann Kühme, äußerte, dass die Ermittlungen der Soko uneingeschränkt weitergeführt werden.

Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
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