NORDENHAMNORDENHAM/ - Die klirrende Kälte hat Nordenham weiterhin im Griff und sorgt stellenweise für spiegelglatte Straßen und komplett vereiste Gehwege. Auch Radwege zu benutzen ist oft viel zu gefährlich, so dass die Radler auf die Straßen ausweichen. Zum Leidwesen der Autofahrer, die ihrerseits mit den eisigen Tücken des Winters zu kämpfen haben.Auf dem Marktplatz, der stellenweise vereist eist, haben es die Menschen schwer, sicher Tritt zu fassen. Stürze sind hier ebenso an der Tagesordnung wie in den Nebenstraßen. So hat die Behandlung von Brüchen des Handgelenks seit der Frostperiode extrem zugenommen, wie der Chefarzt der Unfallchirurgie der Wesermarsch-Klinik, Achim Hauser, betont. Zwar sei es im Prinzip egal, ob man stürzt, stolpert oder ausrutscht und sich dabei verletzt, betont der Mediziner. Frakturen im Bereich der Handgelenke und der Arme seien für die momentane Witterung aber wohl typisch, merkt der Arzt an. Und so verwundert es nicht, dass die Wesermarsch-Klinik gut ausgelastet ist. Viele Patienten, die sich Bein- oder Armbrüche zugezogen haben, wurden schon behandelt. Viel zu tun hatten die Klinik-Mitarbeiter am vergangenen Wochenende, sagt Achim Hauser, der selbst Bereitschaftsdienst hatte. Neben der ambulanten Versorgung von gebrochenen Gliedmaßen sei bei vielen Leuten auch ein operativer Eingriff erforderlich gewesen. Waren es vor der Kältewelle ein bis zwei Operationen täglich, so wurden die Ärzte nun bis zu 15 Mal in den Operationssaal gerufen. Und es sind vor allem die älteren Fußgänger, die es unter diesen Witterungsverhältnissen besonders schwer haben. Die durch Osteoporose geschwächten Knochen sind dünn und porös. Bei Stürzen treten meist Brüche des Schenkelhalses und des Handgelenkes auf. Die Genesung dauert mehrere Wochen. In der Regel könne der Gips nach 14 Tagen entfernt werden, sagt Achim Hauser. Nach sechs Wochen müsste die Heilung im Normalfall abgeschlossen sein. Wie der Arzt weiter ausführt, werden trotzdem die Betten in der Klinik langsam knapp. Es sei angedacht, kurzfristig eine geschlossene Station wieder zu öffnen, um die Beleg-Situation zu entspannen. Derweil sind viele Wege noch vereist. Und die Verkehrssicherungspflicht zwingt zum Streuen und Schneeräumen (die nwz berichtete). „Die Stadt wartet auf Salz“, sagt Rudolf Müller. Wie der Leiter des Ordnungsamtes anmerkt, werde in der jetzigen „Eisphase“ darauf verzichtet, Verwarngelder auszusprechen. Seit Mittwoch habe sich die Situation verschärft. Zuvor habe durchaus geräumt werden können. Rund 100 Verwarngeld-Bescheide habe die Stadtverwaltung verschickt. 35 Euro, so hoch ist das Verwarngeld, waren jeweils fällig. Öffentliche Geh- und Radwege werden von der Stadt geräumt. Viele Kilometer umfasst das Netz, das der Winterdienst des Bauhofs – je nach Bedarf – morgens ab 4 Uhr räumt, Doch die Probleme sind jetzt allgegenwärtig. Das Tauwasser konnte nicht abfließen, ganze Straßen haben sich in Eispisten verwandelt. Um Folgeschäden zu verhindern, wird der Marktplatz nicht mit schweren Geräten geräumt. Die Granitplatten könnten brechen. Die Menschen müssen selbst Hand anlegen, um Straßen und Wege vor ihrem Haus passierbar zu machen. So hat der Käufer des Hotels zur Post zu einem Spaten gegriffen. Den Eispanzer vor dem Gebäude hat er zum Teil aufgehackt und einen Gehweg freigelegt. Mit einem baldigen Wetterumschwung ist nicht zu rechnen. Wie der Deutsche Wetterdienst mitteilt, gelangt mit einer östlichen Strömung wieder Kaltluft aus Russland nach Deutschland, daher ist in den Nächten wieder mit strengem Frost zu rechnen. Ab Wochenmitte bringt ein Tief auch wieder leichten Schneefall. Auf Straßen und Wegen wird es weiterhin glatt bleiben.

Ulrich Schlüter
Ulrich Schlüter Redaktion Brake