NORDERSCHWEI - Dem Landwirt Sebastian Wulff bot sich am Sonnabend ein grauenvoller Anblick. Eines seiner Schafe steckte im Graben, der gesamte Kopf war bis zum Brustbereich zerfetzt. Es guckte nur noch der Halswirbel aus dem geöffneten Tierkörper, sagt Sebastian Wulff. Das zweite tote Tier fand er 50 Meter weiter im Graben. Der obere Schädel samt Nase waren ebenfalls weggefressen. So etwas Schlimmes habe ich noch nicht gesehen, merkt er an.
In Norderschwei sind am Wochenende zwei wildernde Hunde über eine kleine Schafherde mit elf Tieren hergefallen. Sie rissen zwei trächtige Schafe und verletzten ein weiteres trächtiges Tier so schwer, dass es aufgrund der Verletzungen eingeschläfert werden musste. Auch andere Schafe der Herde seien von den Hunden gebissen worden, erzählt Sebastian Wulff. Alle Tiere seien noch total verstört und verängstigt.
Tote Hasen auf dem Feld
Ein benachbarter Jäger, der bereits durch gerissene Hasen in den vergangenen Tagen auf die Hunde aufmerksam geworden war, hatte beobachtet, wie die beiden Tiere die Schafe über die Weide hetzten. Dem Jäger ist es zu verdanken, dass die Halterin der Hunde sofort ausfindig gemacht werden konnte. Nachdem er die Frau zur Rede gestellt und samt blutverschmierter Hunde fotografiert hatte, machte er sich erst einmal daran, zwei festliegende Schafe wieder aufzurichten, berichtet Sebastian Wulff. Bei den Schafen würden in zehn Tagen Lämmer erwartet. Wenn die Schafe durch das Hetzen der Hunde auf den Rücken gerieten, könnten sie sich in dem hochtragenden Zustand nicht allein wieder aufrichten und würden innerhalb kürzester Zeit verenden.
Der Landwirt war an dem Tag kurzzeitig abwesend. Als er bei seiner Rückkehr von dem Angriff der Hunde erfuhr, rief er vorsorglich den Tierarzt an und suchte mit seiner Frau und einem anderen Landwirt die Weide nach den Schafen ab. Die hochtragenden Schafe waren in ihrer panischen Angst auf der Flucht sogar über einen frisch ausgebaggerten, 2,50 Meter breiten Graben gesprungen. Ob die trächtigen Tiere jetzt noch gesunde Lämmer zur Welt bringen würden, sei fraglich, so Sebastian Wulff weiter. Erst im vergangenen Herbst seien auf einer anderen Weide tragende Rinder von wildernden Hunden gejagt worden. Zahlreiche Rinder hätten tiefe Fleischwunden gehabt, die verstörten Tiere seien auf sechs Weiden verteilte gewesen. Bei zwei trächtigen Rindern habe der Tierarzt abgestorbene Kälber holen müssen. Der Hundehalter sei damals nicht ermittelt worden.
Landkreis ermittelt
Die Polizei hat die Anzeige aufgenommen. Die Gemeinde Stadland geht nun gegen den Halter wegen eines Verstoßes gegen das niedersächsische Wald- und Landschaftsgesetz (Ordnungswidrigkeit) vor. In wieweit eine Gefährdung der Öffentlichkeit vorliegt, ermittelt der Landkreis Wesermarsch im Rahmen des niedersächsischen Hundegesetzes. Der Halter wird nun geprüft, ob er Hunde halten und führen kann (Sachkundeprüfung), die beiden Tiere werden einem Wesenstest unterzogen. Danach wird entschieden, ob die Hunde auf einem ausbruchssicheren Grundstück gehalten werden können und einen Beißkorb tragen müssen.
Der Halter wohnt laut Polizeiangaben erst seit 14 Tagen im angrenzenden Schwei. Die Mischlingshunde stammten aus Osteuropa und seien dort schon umhervagabundiert. Das zugezogene Paar hätte die Hunde aus einem Tierheim geholt. Weil seitens der Polizei ein erhebliches Gefahrenpotenzial erkannt worden sei, habe man sogleich den Landkreis als Gefahrenabwehrbehörde informiert. Wildernde Hunde dürfen auf jeden Fall geschossen werden, macht die Polizei deutlich.
Familie Wulff mit ihren beiden Kindern ist nach wie vor geschockt. Obwohl sie selbst Hunde halten, schrecken Sebastian und Sabrina Wulff bei jedem Bellen auf. Sie fürchten, dass sich so etwas wiederholen könnte und auch, dass die Hunde sich andere Opfer suchen könnten.
