Wittmund - Der 14. Mai 2023 hat Spuren hinterlassen an der Ledastraße in Wittmund – sichtbare und unsichtbare. Zu den erkennbaren Folgen gehören unter anderem ein neuer Zaun rund um das Grundstück, auf dem an jenem Montagabend eine Bombe explodiert war, und mehrere Videokameras am Wohnhaus. Andere Auswirkungen der brutalen Tat sind hingegen bloß zu erahnen – und auch nur, wenn man mit den Betroffenen redet. Im Gespräch mit unserer Redaktion hat sich das Opfer erstmals zum Anschlag geäußert.
Die Frau erzählt von einem ohrenbetäubenden Knall und einer gewaltigen Druckwelle, die mehrere Fenster ihres Wohnhauses zerbersten ließ. Es sei ein traumatisches Ereignis gewesen, sagt sie, insbesondere für die junge Tochter: „Ihre Schreie werde ich nie vergessen.“ Die Frau glaubt zu wissen, warum ausgerechnet ihr Auto in die Luft gejagt wurde, und spricht von einem „Racheakt“. Mit Details zu den Hintergründen hält sie sich jedoch zurück.
Das Restaurant auf dem Campingplatz
Unsere Recherchen zu dem Fall haben ergeben, dass mit der Explosion ein lange andauernder Familienstreit eskalierte. Demnach ist das Anschlagsopfer die Eigentümerin einiger Immobilien; unter anderen gehört ihr das Gebäude auf einem Campingplatz im Landkreis Wittmund, in dem sich ein Restaurant befindet. Ein Angehöriger der Frau wollte dort als Pächter eingesetzt werden, was die Eigentümerin verweigerte. Die Folgen waren im Jahr 2022 zunächst zerstochene Autoreifen und eingeschlagene Fenster.
Die Wut einiger Familienmitglieder schwoll aber vor allem an, weil die Frau ein anderes Familienmitglied kündigte, das in der Gastronomie auf dem Campingplatz arbeitete. Sie hatte dem jungen Mann mit der Anstellung helfen wollen, nachdem er aus dem Gefängnis entlassen worden war. Wegen eines persönlichen Fehltritts beendete die Frau im April 2023 jedoch die Zusammenarbeit – rund einen Monat später explodierte auf dem Grundstück an der Ledastraße die Bombe.
Bei dem jungen Mann handelt es sich unseren Informationen zufolge um den zur Tatzeit 19-Jährigen, der die Detonation herbeigeführt hat. Der mutmaßliche „Vollstrecker“ des Anschlags hatte seine Beteiligung an der Tat bereits gestanden. Er war knapp zwei Monate nach der vermeintlichen Racheaktion an seiner neuen Arbeitsstätte festgenommen worden. Den gegen ihn erwirkten Haftbefehl setzte ein Richter des Amtsgerichts Osnabrück gegen Auflagen außer Vollzug.
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Wann startet das Gerichtsverfahren?
Offen ist derzeit noch, wer die Tat geplant und den mittlerweile 20-Jährigen mit der Ausführung beauftragt hat. Ein 25-Jähriger, der hinter dem Anschlag stecken soll, befindet sich derzeit zwar in Untersuchungshaft – er hat sich bislang jedoch nicht zu den Vorwürfen gegen seine Person geäußert. Aufklärung könnte das Hauptverfahren am Landgericht Aurich bringen. Nach Informationen unserer Redaktion verfasst die Staatsanwaltschaft Osnabrück derzeit die hierfür notwendige öffentliche Klage, nachdem Ende Januar bei der Zentralstelle zur Bekämpfung krimineller Clanstrukturen die Akten eingegangen waren.
Ob und wann das Landgericht Aurich die Klage zulassen und eine Hauptverhandlung terminieren wird, ist aktuell ebenfalls offen. Sehr wahrscheinlich würde ein Prozess aber spätestens Ende Mai starten. Der einfache Grund: Die Untersuchungshaft darf in Deutschland in der Regel maximal sechs Monate andauern. Festgenommen wurde der mutmaßliche Auftraggeber am 24. November 2023.
