Westerstede - Ob Drogen, Gewalt, psychische Krankheiten oder Beziehungsprobleme: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Sorgen- und Krisentelefons Ammerland haben für alle Anrufer ein offenes Ohr – und das seit nunmehr 16 Jahren. Ihre Aufgabe erscheint zunächst simpel: Sie müssen zuhören. Doch man merkt schnell, dass viel mehr hinter dem ehrenamtlichen Job steckt. „Eine gewisse Belastbarkeit und Einfühlungsvermögen muss man mitbringen“, erklärt Diplom Psychologe Werner Folkers, der den Service zusammen mit der Diplom Pädagogin Monika Rieck betreut. Teilweise hören die Mitarbeiter am Telefon Geschichten, die sie stark erschüttern können. Dann müssen sie das Gehörte zunächst alleine mit sich herumtragen, da die Berater zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.
„Mein erster Fall begann mit: ’Ich bringe mich jetzt um’“, berichtet ein Berater. Wie die Ehrenamtlichen in solchen Situationen reagieren können, lernen sie vorab in Schulungen. Regelmäßige Fortbildungen und monatliche Gespräche bilden die Mitarbeiter weiter und helfen, gewisse Anrufe nachzuarbeiten.
Somit wird der einzelne Mitarbeiter bei wirklich schwierigen Fällen auch von der Gruppe aufgefangen. Und darüber sind sich alle einig: Die Berater-Truppe hat einen sehr engen Zusammenhalt. „Wir sind ein ganz tolles Team, und deswegen macht es Spaß – auch wenn es manchmal anstrengend ist“, erklärt eine ehrenamtliche Mitarbeiterin. Über 20 aktive Berater übernehmen den Telefondienst in vierstündigen Schichten jeden Tag. Im Alter von 30 bis 80 sind alle Altersgruppen vertreten. Und genau wie die Anrufer bleiben auch die Berater anonym.
„Niemand muss seinen Namen sagen“, so Folkers. Die Anonymität der Anrufer sei dabei ein wichtiger Faktor, um Vertrauen zu schaffen: Da Menschen bei dem Sorgen- und Krisentelefon nicht ihr Gesicht zeigen oder ihren Namen nennen müssen, können sie oftmals freier über ihre Probleme sprechen. „Ich glaube, das Wichtigste ist, zuzuhören und zu vermitteln, dass man die Anrufer versteht“, sagt ein Ehrenamtlicher. Und oft wirkt Zuhören Wunder: Gespräche, die mit Tränen begonnen haben, enden manchmal mit einem Lächeln. Doch es kommt auch vor, dass die Berater Gespräche von sich aus beenden müssen, weil der Anrufer zum Beispiel unangebrachte Fragen stellt.
Obwohl das Internet in vielen Lebenslagen hilft und man vermuten könnte, dass besonders Jugendliche schnell online um Rat fragen, bleibt das Telefon in keiner Schicht still. Mit zwei bis drei Anrufern – mal mehr, mal weniger – redet jeder Berater im Durchschnitt während einer Schicht. Dabei können sie praktisch von Zuhause den Dienst leisten. Sie sitzen unter anderem in Oldenburg, Bad Zwischenahn oder in Westerstede. Den ehrenamtlichen Mitarbeitern kommt es entgegen, da sie so ohne großen Aufwand im Krankheitsfall Dienste übernehmen können.
