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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

411. Kramermarkt In Oldenburg: So arbeitet es sich zwischen Neonlichtern und Discobässen

04.10.2018

Oldenburg Helle Neonlichter blinken in allen Farben in der Dunkelheit. Bässe dröhnen so laut, dass man kaum sein eigenes Wort versteht. Der Kramermarkt ist in vollem Gange, an diesem Montagabend ist es vergleichsweise ruhig. Richtig voll wird es vor allem vor Feiertagen und am Wochenende.

Es ist 20.30 Uhr als die beiden Polizeikommissare Tim Effenberger (32) und Khanh Nguyen (33) ihre Runde über das Gelände starten. Neben den gelben Jacken, die zur besseren Sichtbarkeit dienen, tragen die beiden Beamten ein Headset, eine sogenannte Hör-Sprech-Garnitur, über die sie Funksprüche empfangen und unter anderem auch in Kontakt mit der mobilen Wache stehen. Während des Volksfestes ist die Polizei in Räumen der Weser-Ems-Halle untergebracht.

Dort sitzt Polizeioberkommissar Maik Lehmbecker, einer der beiden Einsatzleiter auf dem Kramermarkt. Er ist für die Koordination zuständig und hat die Überwachungsbildschirme im Blick.

„Wir haben ein System mit sechs Kameras, mit denen wir den Markt überblicken können“, sagt Effenberger und zeigt auf eine der Kameras, die an einer Laterne in der Nähe der Wache angebracht ist. Auch zoomen ist mit den Kameras möglich. So nah, dass Gesichter deutlich erkennbar sind. „Die Bilder werden die ganze Zeit über aufgenommen, überspielen sich aber nach drei Tagen automatisch.“ Gebe es aber beispielsweise eine Schlägerei, könnten von den Aufnahmen Sicherungen abgespeichert werden – ein Novum. „Die Aufzeichnungen sind in diesem Jahr zum ersten Mal erlaubt“, sagt Effenberger.

Die beiden Beamten gehen in ruhigem Tempo. Drei Zweierstreifen sind von 14 Uhr bis circa Mitternacht im Einsatz – an den Wochenenden bis in die frühen Morgenstunden. Dann gibt es Unterstützung von weiteren Kräften der Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland.

Aufmerksam schauen sich die Polizisten um. Ab und zu wirken sie noch konzentrierter. „Ich bekomme gerade einen Funkspruch über einen Brand, der woanders stattfindet – auch das können wir hören“, sagt Effenberger. Natürlich sei der Kramermarkt mit seinen Menschenmassen, dem Lärm und den Lichtern eine Belastung: „Ich bin froh, wenn ich abends nach Hause komme und es dort ruhig ist“, sagt er. „Der Großteil der Menschen ist super freundlich, aber zum Teil haben die Menschen absolut keinen Respekt mehr.“

Brennpunkt Autoscooter

Die Streife nähert sich dem Autoscooter „Bee Bop“. Der Brennpunkt auf dem Gelände – neben der Kramermarkt-Party in der Weser-Ems-Halle am Wochenende. Doch am frühen Montagabend ist es ruhig. „An starken Tagen ist auch das Jugendkommissariat in Zivilstreife unterwegs und das Jugendamt ist dann hier“, sagt Effenberger mit Blick auf die vielen jungen Menschen, die auf dem Markt in Gruppen unterwegs sind.

Ein Mann spricht Nguyen an und fragt nach dem Weg zum ZOB. Wenig später trifft der Polizeikommissar auf Bekannte. Ein kurzer Schnack folgt. „Gerade abends sei die Arbeit schon anstrengend“, sagt auch der 33-Jährige. „Viele Menschen sind auf Ärger aus und alkoholisiert. Trotzdem müssen wir immer ruhig bleiben.“

Um 20.48 Uhr geht ein neuer Funkspruch ein. Ein zwölfjähriges Mädchen wird gesucht, teilen Kollegen aus Metjendorf mit. Es wird vermutet, dass das Mädchen auf dem Kramermarkt ist. Eine Beschreibung sowie ein Foto landen per Nachricht auf dem Handy von Effenberger. „Wir werden die Augen offen halten“, sagt er.

Vor einer Losbude geht Effenberger auf eine Frau zu. Sie hat ihren Hund mit auf den Markt genommen – obwohl sie auf dem Gelände nicht erlaubt sind. „Ich wusste das nicht“, sagt die Frau und zeigt sich nach einer Erklärung des Beamten einsichtig. Nebenbei laufen weitere Informationen zu dem vermissten Mädchen ein – die Polizei sucht parallel auch anderswo nach der Zwölfjährigen.

Szenenwechsel: Das Friesenhus. Bevor die Besucher dort hineinkommen, werden von Sicherheitschef Adriano Pund (35) und seinem Team ab 22 Uhr an den fünf Eingängen Einlasskontrollen durchgeführt. Dabei werden auch Taschen und Rucksäcke kontrolliert. Dazu stehen unter der Woche zwei bis vier Mitarbeiter und am Wochenende ein zwölfköpfiges Team bereit. Von 1 bis 6 Uhr ist „Pund Security“ auch für die Nachtwache auf dem Gelände zuständig. „Wir passen auf, das keine unbefugten Leute auf dem Gelände sind, damit die Schausteller in Ruhe schlafen können und nichts zerstört wird“, sagt Pund.

Zurück ins Zelt. Dort ist es am Montagabend um kurz nach 21 Uhr recht leer. Ein paar Frauen tanzen vor der Bühne. Die meisten Besucher sitzen in kleinen Gruppen an den Bauernbänken oder stehen neben dem Tresen. „Bis zu 3200 Gäste passen maximal ins Zelt“, sagt Pund. Dann seien drei Security-Männer auch im Zelt auf Streife. „Die Menschen werden teilweise respektloser.“ Neulich habe ihm ein Mann ins Gesicht gespukt. Und: „In Rucksäcken finden wir auch schon mal Schlagstöcke oder Springmesser – die geben wir dann auch nicht mehr zurück, sondern leiten sie an die Polizei weiter.“ Zu den Beamten habe man eine direkte Funkverbindung.

Erneuter Szenenwechsel: Vor der Wache in der Kongresshalle. Die Stimmung ist angespannt. Es ist 21.35 Uhr als ein Funkspruch der Polizei für Erleichterung sorgt: Das zwölfjährige Mädchen, das vor einer knappen Stunde als „gesucht“ gemeldet wurde, ist von Beamten gefunden worden. Auch die Sanitäter vom Roten Kreuz und den Johannitern hatten Ausschau nach dem Mädchen gehalten.

„Eigenschutz geht vor“

Insgesamt sind pro Tag zwischen 25 und 45 Ehrenamtliche im Einsatz – insgesamt sind rund 120 beim Kramermarkt dabei. In der Einsatzzentrale sitzen Christian Nobel und Niklas Renken. „Hier läuft alles zusammen“, erklärt Johannes Neumann, der Landesleiter der Wasserwacht beim Rotkreuz ist und auf dem Markt als Sanitäter arbeitet. Nebenan kümmert sich Jane Bruckhuisen um die Anmeldung. Wie in einer Notaufnahme verteilt sie die Patienten auf Betreuungs-, Behandlungs- oder Intensivplätze. Noch sind alle Liegen leer. Im Aufenthaltsbereich geht es gesellig zu – zwischen den Rundgängen gibt es Kuchen, Getränke oder Suppe.

Birger Holz (51), ist 1. Vorsitzender im Kreisverband Oldenburg Stadt. Der Sanitäter ist bereits seit 39 Jahren als Ehrenamtlicher beim Kramermarkt im Einsatz. Gemeinsam mit Anna Riesenbach (18) von dem DRK Vechta und Lennart Kleymann (17) von den Johannitern Oldenburg bildet er ein Team. Genau wie die Polizeibeamten gehen auch die Sanitäter in Teams über das Festgelände. Eines der wichtigsten Gebote: „Eigenschutz geht vor“, sagt Holz. „Wenn es brenzlig wird, ziehen wir uns zurück – niemand soll den Helden spielen.“

Um 22.15 Uhr geht es für die drei los. Eine Station ist die Unfallhilfsstelle an der Straße Unterm Berg. Es bleibt weiter ruhig. Ein Mann spricht Kleymann auf Englisch an, weil sein Handy geklaut wurde. Der Johanniter erklärt dem Mann auf Englisch den Weg zur Polizei. Nach einer guten halben Stunde erreicht das Team die andere Seite des Marktes.

Am Wochenende werden wieder Menschenmassen auf den Kramermarkt strömen. Dann sind Polizei, Security und die Sanitäter bis in die frühen Morgenstunden auf den Beinen, um den Besuchern zu helfen und für Ordnung zwischen all den Neonlichtern und der vibrierenden Musik zu sorgen.

Ellen Kranz Reporterin / Reportage-Redaktion
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