Oldenburg - Wer Krankenwagen fährt, will Leben retten. Ein Unfall beim Abbiegen mit verletztem oder gar tödlich verunglücktem Opfer, das wäre für alle Seiten der absolute Albtraum. Technische Hilfen am Fahrzeug können dieses Risiko minimieren. Darum setzen die Oldenburger Johanniter jetzt auf Abbiegeassistenten.
Seit Mai hat der Ortsverband Oldenburg einen neuen Intensivtransportwagen (ITW) im Einsatz. Drei dieser Fahrzeuge gibt es in ganz Niedersachsen. Sie kommen nicht im normalen Rettungsdienst zum Einsatz, sondern sind in erster Linie darauf spezialisiert, landesweit (auch über die Grenzen Niedersachsens hinaus) schwerkranke oder verletzte Patienten von einem Krankenhaus zum anderen zu verlegen.
Der Intensivtransportwagen (ITW) kostet 130 000 Euro und wiegt 5,5 Tonnen. Er ist ausgestattet unter anderem mit Beatmungsgeräten, Überwachungsmonitoren, Defibrillator und Blutgasanalysegerät. Zur Besatzung gehören in der Regel ein Notarzt, ein Fachpfleger und ein Rettungsassistent oder Notfallsanitäter.
Der ITW aus Oldenburg ist nun der erste mit vier eingebauten Kameras, die dem Fahrer über einen Bildschirm zu jeder Zeit einen 360-Grad-Blick rund um das Fahrzeug ermöglichen. Setzt der Fahrzeugführer zum Abbiegen den Blinker, wird zudem speziell der Bereich angezeigt, der normalerweise im sogenannten toten Winkel liegt. Auf diese Weise soll das Risiko von Kollisionen mit Fahrradfahrern oder Fußgängern deutlich reduziert werden.
Die Idee für die Zusatzausrüstung kam von Rainer Schmitz, Leiter Oldenburger Rettungswache der Johanniter. „Der ITW ist zwar kein Lkw, aber es sind einem schon deutliche Grenzen gesetzt beim Rangieren und Abbiegen“, berichtete er am Mittwoch. Auf einer Messe habe er dann das Kamerasystem entdeckt und diese Sonderausstattung für den neuen ITW vorgeschlagen. Aus seiner Sicht hat sich die Investition von zusätzlich 2500 Euro bewährt. „Der Fahrer kann alle Bereiche einsehen. Man muss sich nur an den Blick zum Bildschirm gewöhnen.“
Mit großem Interesse verfolgte am Mittwoch auch Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Althusmann (CDU) die Präsentation des Fahrzeugs auf dem Fliegerhorst. Er erinnerte daran, dass das Land schon länger über Bundesratsinitiativen und bei der EU für eine Abbiegeassistenten-Pflicht bei großen Fahrzeugen eintrete. „Ich gehe davon aus, dass es ab 2022 ein Verpflichtung für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen geben wird.“
Der Bildschirm zeigt dem Fahrer die Kamerabilder.
Johanniter-Dienststellenleiter Stephan Siemer meinte gegenüber der NWZ, dass das Kamerasystem auch für andere Fahrzeuge, zum Beispiel im Rettungsdienst, durchaus denkbar wären. Das hängt allerdings auch an der Finanzierung, die den Krankenkassen obliegt. Ob das Land dazu etwas beisteuern könnte, ist laut Althusmann bislang noch nicht im Gespräch.
