Oldenburg - Zwei Radfahrer kamen 2017 auf Oldenburger Boden nach einem Verkehrsunfall ums Leben, im vergangenen Jahr verunglückte hier ein Radfahrer tödlich. Von einer Entspannung mag da niemand reden. Nicht zuletzt, weil es jüngst binnen vier Wochen zu gleich zwei schweren Zusammenstößen zwischen Lkw und Fahrrad kam: Für eine 17-Jährige kam Ende Januar auf der Bremer Straße jede Hilfe zu spät; vor einer Woche erfasste zudem ein Sattelzug eine 30-Jährige an der Ammerländer Heerstraße.

Kommentar Wartezeit im Toten Winkel

Marc Geschonke

Die Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland hat deshalb am Dienstag in Kooperation mit der Bundeswehr ein Warnvideo erstellt, um deutlich auf die Gefährdungslage bei Abbiege-Vorgängen hinzuweisen. Dieses soll zeitnah veröffentlicht werden – in der Hoffnung auf mehr Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer.

Noch etwas länger dauert es, bis die offizielle Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2018 vorgestellt wird – Ende März werden den gefühlten dann tatsächliche Zahlen gegenübergestellt. Dass die sich trotz aller intensiven Bemühungen der Behörden gerade im Bereich der Unfälle unter Beteiligung von Radfahrern nicht sonderlich verbessert haben dürften, zeigt allein die Zahl der täglichen Unfallmeldungen.

Fehler beim Wenden, Rückwärtsfahren oder Abbiegen gehören seit Jahren zu den häufigsten Ursachen. Und seitdem Pedelecs (motorunterstützte Räder) verstärkt im Stadtgebiet unterwegs sind, nimmt auch die Durchschnittsgeschwindigkeit der Zweiräder zu: „Von 16,1 auf über 17 km/h“, sagt Polizeihauptkommissar Bernhard Stegemann. Kein Wunder also, dass auch mehr Elektroräder in Unfälle involviert sind. Jahr um Jahr um Jahr. Garantiert auch 2018.

Doch was tun? Mehr sogenannte „Trixi“-Spiegel an den Kreuzungen installieren? Alle Lkw mit Unterfahrschutz und Abbiegeassistenten ausrüsten? Oder bestenfalls gleich alles zusammen? „Es gibt nicht die eine Patentlösung“, sagt Stegemann, den der tödliche Unfall Mitte Januar „stark umgetrieben“ habe, „darüber haben wir lange im Kollegenkreis geredet.“ Allein: Kaum eine Vorsichtsmaßnahme werde einen Unfall zu 100 Prozent verhindern können. Am Ende entscheide nicht nur die richtige Einstellung der Spiegel und die freie Sicht auf alle Verkehrswege, sondern vor allem der Unsicherheitsfaktor Mensch.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) hatte kürzlich das Forschungsprojekt „Toter Winkel – Konflikt zwischen rechtsabbiegenden Lkw und geradeausfahrendem Radverkehr“ in Auftrag gegeben. Darin heißt es: „Treffen ein schweres Güterkraftfahrzeug und ein Fahrrad in einer ,Tote Winkel’-Situation aufeinander, so wird im Durchschnitt eine Rad fahrende Person bei zehn Unfällen mit Personenschaden getötet; bei Kollisionen mit leichten Güterkraftfahrzeugen ist es ,nur’ eine bei 549 Unfällen.“ Und: Eine flächenhafte Verteilung dieser Unfälle, die Häufung an einem Knotenpunkt oder Präferenzen für Verkehrsführung, Zeitpunkt, Witterung oder Geschlecht habe man nicht feststellen können.

Kein Opfer wird sich mit diesen Erklärungen zufriedengeben. Die Behörden aber ebenso wenig. Bis tatsächlich erfolgreiche(re) Schutzsysteme gefunden sind – „Lösungsansätze, wie etwa das Vorziehen der Haltelinie und/oder ein Zeitvorsprung für die Freigabezeiten des Radverkehrs am Beginn der Grünzeit“, so das BASt – gilt auch weiterhin: Obacht im Straßenverkehr. Twitter-Kanal der Polizei: