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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage in 97 Todesfällen

23.01.2018

Oldenburg /Delmenhorst Der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel soll sich wegen Mordes in 97 Fällen vor Gericht verantworten. In ihrer Anklageschrift wirft die Staatsanwaltschaft Oldenburg dem 41-Jährigen vor, 62 Patienten im Klinikum Delmenhorst und 35 Patienten im Klinikum Oldenburg getötet zu haben.

Mord aus „Langeweile“

Högel habe seinen Opfern auf der Intensivstation Medikamente in Überdosis verabreicht, „um seine Fähigkeiten im Bereich der Reanimation gegenüber Kollegen und Vorgesetzten präsentieren zu können und um seine Langeweile zu bekämpfen“, teilte die Staatsanwaltschaft am Montagmorgen mit. Dabei habe er den Tod der Patienten „zumindest billigend“ in Kauf genommen.

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Mit ihrer Anklage folgt die Staatsanwaltschaft weitgehend den Ermittlungsergebnissen der Soko „Kardio“, die die Mordserie seit Ende 2014 akribisch aufgearbeitet hatte. Lediglich in drei Verdachtsfällen könne der Tatnachweis „nicht mit der für die Anklageerhebung erforderlichen Sicherheit geführt werden“, heißt es.

Erster Mord im Februar 2000

Den Ermittlungen der Soko „Kardio“ zufolge beging Högel seinen ersten Mord im Februar 2000 auf der Intensivstation des Klinikums Oldenburg. Der gebürtige Wilhelmshavener hatte dort im Juni 1999 seinen Job als Pfleger angetreten. Weil verschiedene Mitarbeiter und Vorgesetzte ein „ungutes Gefühl“ hatten in Bezug auf Högel, trennte sich das Klinikum von ihm und entließ ihn mit einem guten Arbeitszeugnis.

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Damit wechselte der Pfleger im Dezember 2002 ans Klinikum Delmenhorst, wo er offenbar ungestört weiter morden konnte. Erst im Juni 2005 wurde Högel von einer Krankenschwester auf frischer Tat ertappt, als er einem Patienten heimlich das Herzmittel Gilurytmal spritzte.

Mehrere Medikamente gespritzt

Neben Gilurytmal setzte Högel auch die Medikamente Sotalex, Xylocain, Cordarex und Kalium ein, um so bei den Patienten Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern und Blutdruckabfall auszulösen. Er wollte seine Opfer damit in eine sogenannte Krisensituation bringen, um sie dann wiederbeleben zu können. Weil es in seinen Schichten immer wieder zu solchen Notfalleinsätzen kam, erwarb sich Högel bei einigen Kollegen den Ruf eines „Rettungs-Rambo“.

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Die Frage, ob Klinikmitarbeiter Morde hätten verhindern können, beschäftigt ebenfalls die Justiz. Gegen drei Ex-Kollegen aus Delmenhorst wurde bereits Anklage erhoben wegen des Verdachts des „Totschlags durch Unterlassung“. Die Ermittlungen gegen Mitarbeiter aus Oldenburg laufen noch.

Verurteilt wegen sechs Taten

Högel wurde 2008 und 2015 wegen sechs Taten bereits verurteilt. Er verbüßt eine lebenslange Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg. Am Strafmaß wird der jetzt anstehende weitere Prozess nichts ändern.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020

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