Oldenburg - Erleichtert und zufrieden zeigten sich Stadtverwaltung und Kampfmittelbeseitigungsdienst am Morgen nach dem Großeinsatz. Die Fünf-Zentner-Bombe, die am Montagvormittag bei Arbeiten auf dem Fliegerhorst in Nähe des ehemaligen Kinos (beim Sitz der Traditionsgemeinschaft) gefunden worden war, konnte wie geplant entschärft werden. Die Evakuierung zahlreicher Straßenzüge verlief wie geplant. Es habe keine größeren Zwischenfälle gegeben, sagte Stadtsprecher Reinhard Schenke.
Das Thema Blindgänger auf dem Fliegerhorst sei mit diesem Fund aber wohl kaum abgeschlossen, sagte Schenke. „Wir gehen davon aus, dass wir im Rahmen der geplanten Erschließung auf weitere Bomben stoßen können.“
Bombe auf der Schaufel
In der Vergangenheit hatte die Stadt wiederholt zusätzliche Millionen-Summen für die Kampfmittelsondierung auf dem ehemaligen Militärgelände beantragt. Bis Ende des Jahres summieren sich die Kosten für die Kampfmittelbeseitigung seit 2015 auf rund 12 Millionen Euro. Bis dahin soll zwar der Großteil der Fläche sondiert sein; abgeschlossen werden die Arbeiten bis dahin wohl kaum sein.
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Bei der Entschärfung am Montag drängte nach den Worten von Hans Mohr, der zusammen mit fünf Kollegen den gefährlichen Einsatz durchgeführt hat, die Zeit. „Die Bombe war durch einen Schlag mit der Baggerschaufel beschädigt“, berichtete der Experte des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Niedersachsen, der Fachaufsicht für Kampfmittelräumfirmen, am Dienstag der NWZ. Der Blindgänger sei „schon fast auf der Schaufel gelandet“ und aus seiner bisherigen Lage herausgenommen worden. „Eine solche Situation lässt kein langes Warten zu.“
Gewinde deformiert
Anders als beim letzten Großeinsatz auf dem Fliegerhorst 2016 – damals mussten auch Straßenzüge in der Umgebung evakuiert werden – entschieden die Fachleute deshalb am Montagvormittag, die Bombe noch am gleichen Tag zu entschärfen.
Nur mit Mühe sei es gelungen, die mechanischen Zünder mit schwerem Gerät zu entfernen, berichtete Mohr. Das Einschraubgewinde sei beim Aufprall der Bombe auf den Boden deformiert worden; „der Zünder ließ sich kaum herausdrehen“. Nach Mohrs Worten stand der Einsatz eines sogenannten Wasserschneidgerätes, bei dem ein Hochdruckwasserstrahl vibrationsarm Stahl zerschneidet – kurz bevor. Aufgrund der Minus-Temperaturen sei dieses Gerät allerdings auch nicht ohne weiteres zu verwenden gewesen. „Der Einsatz hätte in diesem Fall noch drei bis vier Stunden länger gedauert.“
Eine Sprengung wollen die Fachleute, wann immer es geht, aufgrund möglicher Sprengschäden vermeiden.
Noch am Montagabend wurde die Fliegerbombe verladen und zu einem Zwischenlager in der Nähe von Oldenburg gebracht. „Wir sammeln Kampfmittelreste aus dem Weser-Ems-Gebiet, bis wie einen Gefahrguttransport zusammenhaben“, berichtete Mohr. „Dann lassen wir die Munitionsreste nach Munster zu einer Spezialfirma bringen, die sie dort verbrennt.“
Hans Mohr kennt Fälle von sogenanntem Bomben-Tourismus, wo Privatleute auf eigene Faust mit Metalldetektoren losziehen, um Kampfmittel aufzuspüren. Solche gefährlichen Hasardeure dürften nicht auch noch animiert werden.
„Bei einer Entschärfung wie am Montagabend ist das etwas ganz anderes.“ Er und sein Team seien für Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen eines solchen Einsatzes dankbar. „Die Entschärfung einer Fliegerbombe ist kostenintensiv für die Steuerzahler, und die 7000 Menschen, die ihre Häuser verlassen mussten, sollen sehen, warum das nötig war“, sagte Mohr. Er habe deshalb „kein Verständnis, wenn man die Presse von uns fernhält.“
220 Helfer im Einsatz
Die Fliegerbombe amerikanischer Bauart aus dem Zweiten Weltkrieg war am Montagvormittag entdeckt worden. Am Nachmittag hatte die Stadt die Sperrung von Teilen der Alexanderstraße und umliegender Straßen angekündigt. Häuser im Umkreis von 1000 Metern um den Fundort wurden ab 18 Uhr evakuiert.
Das Deutsche Rote Kreuz richtete einen Fahrdienst ein, der eingeschränkt mobile Menschen aus den Häusern abholte. Rund 220 Helfer von Polizei, Feuerwehr, THW und Außendienst der Stadtverwaltung gingen von Haus zu Haus. Die Entschärfung war zunächst für 21 Uhr geplant.
Im Neuen Gymnasium wurden rund 170 Menschen , die ihre Häuser verlassen mussten, vom DRK betreut. Tee, Kaffee und Kaltgetränke standen bereit. Gern hätte das DRK auch den vielfach geäußerten Wunsch nach einem Imbiss erfüllt; dies sei jedoch nicht vorgesehen gewesen, bedauerte ein Mitarbeiter.
Gegen 21.45 Uhr gab die Stadt Entwarnung; die Sperrungen wurden aufgehoben, die Menschen konnten in ihre Häuser zurückkehren.
