OLDENBURG - Sitzt der vermeintliche Holzklotz-Mörder Nikolai Hecht zu Unrecht im Gefängnis? Vier Wochen nachdem der Bundesgerichtshof (BGH) die Revision des im Mai zu „lebenslänglich“ verurteilten 32-Jährigen aus Rastede-Wahnbek als unbegründet verworfen hatte, brachte sein Anwalt Matthias B. Koch (Bremen) am Donnerstag eine neue Version ins Spiel. Gegenüber der NWZ erklärte Koch, er sei von einer Frau angerufen worden, die die „wahren Täter“ kennen will.

Koch, der das Gespräch in seinem Auto auf dem Weg zu seiner Kanzlei entgegengenommen haben will, hatte sofort ein Gesprächsprotokoll erstellt. Das Protokoll liegt der NWZ vor.

In dem Gespräch behauptet die anonyme Anruferin, die mittleren Alters und gebildet sein soll, dass eine „Elena“ zusammen mit einem „Jungen“ damit angegeben hätte, dass Hechts frühere Aussage, er habe Ostern 2008 den Holzklotz von einer Brücke auf die A 29 geworfen und damit den Tod einer 33-jährigen Beifahrerin verursacht, „gekauft“ worden sei. Die beiden Genannten seien auf dem Polizei-Phantombild (eine Gruppe von Jugendlichen, die anfangs wegen der Tat in Verdacht stand) zu erkennen.

Wegen der schlechten Funkübertragungsqualität hat Rechtsanwalt Koch laut eigenen Angaben nicht weitere Einzelheiten von der Anruferin erfragen können. Er bittet nun aber darum, dass sich die „Dame“ noch einmal bei ihm oder der Polizei meldet. Koch selbst hat sich aus terminlichen Gründen noch nicht mit der Staatsanwaltschaft bzw. der Polizei in Verbindung gesetzt. Ob der Anruf nun wirklich Zweifel an der von der Oldenburger Schwurgerichtskammer festgestellten Täterschaft von Nikolai Hecht aufkommen lässt, bleibt abzuwarten.

Verteidiger Koch hat den Inhalt des „wirklich ganz merkwürdigen und gleichwohl interessanten Telefonats“ an seinen Mandanten sowie an dessen Familie mit der Bitte weitergegeben, nach einer „Elena“ zu fahnden.

Artikel, Bilder und NWZ TV-Berichte

vom tödlichen Anschlag auf der Autobahn und vom Prozess