OLDENBURG - Höchststrafe im monatelangen Holzklotz-Prozess: Die Oldenburger Schwurgerichtskammer hat Nikolai H. aus Rastede-Wahnbek am Mittwoch wegen heimtückischen Mordes und dreifachen versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Angeklagte habe aus Wut und Frust gehandelt, sagte der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann. H. habe billigend in Kauf genommen, das Fahrzeug zu treffen und Menschen zu töten.

Mit dem Urteil folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung, die Freispruch beantragt hatte, kündigte an, Revision einzulegen.

Bilder von der Urteilsverkündung

Ein Spezial zu dem Fall

Aus Sicht des Landgerichts bestehen keine Zweifel, dass H. am Ostersonntag 2008 einen sechs Kilo schweren Holzklotz von einer Oldenburger Brücke auf die A 29 fallen ließ und dadurch die 33-jährige Olga K. auf dem Beifahrersitz eines unten vorbeifahrenden Autos tötete.

Dem Ehemann der Getöteten sagte der Richter: „Wir alle fühlen tief mit Ihnen.“ Zugleich lobte er die fahrerische Leistung von Wladimir K. (37) nach dem Anschlag. „Wenn Sie nicht so fantastisch reagiert hätten, wären Ihre Kinder wohl auch gestorben.“

Als „tragende Säule“ der Beweismittel wertete das Gericht das Geständnis, das H. nach seiner Festnahme bei der Polizei abgelegt und später widerrufen hatte. Gegenüber den Beamten habe der Angeklagte Täterwissen offenbart. Das Geständnis sei auch nicht unter Druck erfolgt. Die Arbeit der Vernehmungsbeamten sei tadellos gewesen, so Bührmann.

Er nannte drei weitere Beweise: Bodenuntersuchungen hätten ergeben, dass die Tatwaffe vom Grundstück des Angeklagten stammte. Handy-Daten belegten, dass er sich zur Tatzeit in Tatortnähe aufgehalten habe. Zudem habe H. zwei Mitgefangenen die Tat gestanden.

Laut Bührmann war das Verfahren durch das „Setzen von Nebelkerzen“ beeinträchtigt. Dazu zählte für ihn der Strategie-Wechsel der Verteidigung. Erst sei den Polizisten vorgeworfen worden, sie seien zu hart mit H. umgegangen, später wurden sie als „zu lieb“ kritisiert. „Das ist absurd“, sagte Bührmann.

Für die Opfer-Familie sagte Steffen Woitaczak, der Schwager von Wladimir K.: „Es war das gerechte Urteil, das wir erwartet haben.“