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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Högel gesteht Patientenmorde

30.10.2018

Oldenburg Zu Prozessbeginn hat der ehemalige Krankenpfleger Niels Högel zugegeben, Patienten getötet zu haben. Auf die Frage von Richter Sebastian Bührmann, ob die Tatvorwürfe größtenteils zutreffen, antwortete Högel nach kurzem Zögern: „Ja“. Der gebürtige Wilhelmshavener ist angeklagt wegen 100-fachen Mordes. Der Prozess findet wegen der hohen Zahl an Beteiligten in der Oldenburger Weser-Ems-Halle statt.

Das Gericht hatte zunächst zu einer Schweigeminute aufgerufen: „Wir wollen an die denken, die auch im Raum sind, aber nicht körperlich“, sagte Bührmann. Nebenkläger, Medienvertreter und weitere Zuschauer erhoben sich, um der Opfer zu gedenken. Auch Högel nahm, den Kopf gesenkt, an der Schweigeminute teil.

Richter Bührmann richtet sich an Angehörige

„Wir werden uns bemühen, und wir werden mit allen Kräften nach der Wahrheit suchen“, versprach Bührmann den Angehörigen der verstorbenen Patienten. Er wolle sich bereits im Vorhinein bei ihnen für die möglicherweise kalt wirkende Sprache vor Gericht entschuldigen. Das sei die Sprache der Justiz, sie diene der Sachlichkeit und sei auf keinen Fall despektierlich gemeint. Bührmann wies die Nebenkläger darauf hin, dass sie jederzeit den Gerichtssaal verlassen können: „Geben Sie auf sich acht. Schauen Sie, wie es Ihnen geht.“ Für die Nebenkläger gibt es in der Weser-Ems-Halle einen Rückzugsraum, auch sind Vertreter von Weißer Rings, Stiftung Opferhilfe und Sanitäter vor Ort.

Bührmann ging auch ein auf die Ankündigung des Oldenburgischen Staatstheaters, den Högel-Prozess auf die Bühne bringen zu wollen. Die Veröffentlichung in der Presse hatte für viel Unruhe gesorgt. Über die Sinnhaftigkeit eines solches Vorhabens könne man sicherlich streiten, so Bührmann. Aber: „Glücklich ist der Zeitpunkt auf keinen Fall.“ Er könne für alle Nebenkläger sprechen, wenn er sage: Keiner von ihnen habe „zu diesem Zeitpunkt“ ein Interesse, an der Herstellung eines Theaterstücks mitzuwirken.

Högel kennt den Richter von früheren Prozessen

Schließlich richtete Bührmann das Wort an den Angeklagten. „Herr Högel, wir kennen uns. Sie kennen mich, ich kenne Sie. Ich kann Ihnen versprechen, dass ich der bin, der ich in den früheren Verfahren war: Ich werden mit Ihnen fair verhandeln, ich werde mit Ihnen offen verhandeln.“ Bührmann hatte bereits 2008 und 2014/15 Prozesse gegen Högel geführt und ihn wegen insgesamt sechs Taten zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Gut eine Stunde dauerte das Verlesen der Anklageschrift; Oberstaatsanwältin Daniela Schiereck-Bohlmann ging auf jeden einzelnen der 100 toten Patienten ein. Högel soll ihnen in den Jahren 2000 bis 2005 in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst Medikamente in tödlicher Überdosis gespritzt haben, um sie anschließend wiederbeleben zu können. Sein Motiv laut Anklage: Er wollte sich vor Kollegen mit seinen Fähigkeiten im Bereich der Reanimation produzieren und seine Langeweile bekämpfen.

Der Angeklagte kündigt Aussage an

Kurz vor Mittag schaltete die Gerichtstechnik schließlich das Gesicht von Högel auf die zwei großen Leinwände in der Halle: kurze Haare, dunkler Vollbart, schwarze Jacke.

„Herr Högel, wollen Sie zur Sache Angaben machen?“, fragte Richter Bührmann.

„Ja, ich möchte zur Sache Angaben machen“, antwortete Högel. Im Prozess 2014/15 hatte Högel bis zum Schluss geschwiegen.

NWZ-Chefreporter Karsten Krogmann im Video zum Prozess gegen Niels Högel:

SPEZIAL: Alle Berichte zum Prozess gegen Niels Högel finden Sie hier

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020
Jörg Jung
Redakteur
Regionalredaktion
Tel:
0441 9988 2084

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